Umfrage zur Klimabildung - Ergebnisse

Bild: Annie Spratt / Unsplash.com

Das Thema Klimawandel sollte an Schulen behandelt werden, ist in aktuellen Lehrplänen jedoch nicht ausreichend berücksichtigt, obwohl es sich laut unseren neusten Umfrageergebnissen neben Naturwissenschaften und Geografie auch in viele andere Fächer problemlos integrieren lässt. Die größte Hürde für Lehrkräfte, die das Thema im Unterricht einbeziehen möchten, sind fehlende Ressourcen und Weiterbildungsmöglichkeiten, auch wenn die meisten der Befragten das Engagement der Schülerinnen und Schüler unterstützen würden.

Nicht nur durch die von Schülerinnen und Schülern organisierten Klimamärsche im Jahr 2019 ist die Klimabildung in Europa und rund um den Globus stärker in den Fokus gerückt. Zwar ist Italien nach wie vor das einzige EU-Land, in dem der Klimawandel im Schulunterricht verpflichtend behandelt werden muss, aber auch Initiativen wie das Environmental Action Programme (EAP) in Schweden, die UNESCO-Initiative zur Bildung in Bezug auf den Klimawandel und die eTwinning-Community leisten einen Beitrag zur Informationsverbreitung und zur Bereitstellung von Angeboten und Ressourcen.

Insbesondere ist es Aufgabe der Lehrkräfte, dass Schülerinnen und Schüler den Klimawandel verstehen und sich eine eigene Meinung bilden. Allerdings kann es für sie schwierig sein, das Thema im Unterricht zu behandeln – sei es wegen seiner Strittigkeit, wegen des eigenen unzureichenden Verständnisses oder wegen der fehlenden Verbindung, die sie zu ihrem Fach sehen.

Die Umfrage lief vom 11. Mai bis 21. Juni 2020 und 1101 Personen aus 36 Ländern, vor allem Spanien, Rumänien und der Türkei, nahmen daran teil, von denen 89 % als Lehrkraft oder Schulleitung tätig sind.


Ergebnisse (N=1101)

1. Vermitteln Ihrer Meinung nach Schulen in Ihrer Region den Schülerinnen und Schüler das Wissen und die Kompetenzen, um den Klimawandel zu verstehen und in ihrem eigenen Leben angemessene Maßnahmen zu ergreifen?

Graph 1

Fast alle Befragten waren sich einig, dass Klimabildung in den Verantwortungsbereich der Schule fällt. Trotzdem waren 70 % der Ansicht, dass Klimabildung im Lehrplan nicht ausreichend Berücksichtigung findet, und nur 29 % vertraten die Meinung, Klimabildung sei im Schullehrplan bereits in angemessener Weise berücksichtigt.

2. Was sind Ihrer Meinung nach die Hauptgründe dafür, dass die Lehrkräfte Ihrer Schule oder Region die Klimabildung nicht in ihren Unterricht einbeziehen? Wählen Sie alle zutreffenden Antworten aus.

Graph 2

Der am häufigsten genannte Grund, warum Lehrkräfte Klimabildung nicht in ihren Unterricht integrieren, war fehlendes Fachwissen bzw. Fortbildungen (66 %), gefolgt von mangelnden Ressourcen (51 %). Dieses Ergebnis deckt sich mit Umfragen in Kanada und dem Vereinigten Königreich, in denen 3 von 4 Lehrkräften angaben, im Bereich Klimabildung nicht ausreichend ausgebildet zu sein.

Bei fast 39 % der Befragten ist Klimabildung nicht Teil des Lehrplans und gehört für 31 % nicht zu ihrem Fachgebiet. 12 % empfanden das Thema als zu kontrovers oder politisch heikel, während 11 % angaben, es gäbe wichtigere Themen im Lehrplan. Ein kleiner Anteil (6 %) war gegenüber dem Thema Klimabildung insgesamt kritisch eingestellt und vertrat die Ansicht, es gäbe nicht genug Belege dafür, dass der Klimawandel ein ernst zu nehmendes Problem sei.

3. Denken Sie an Ihre Schule oder an eine Schule, die Sie kennen: Wie würde man dort reagieren, wenn Schülerinnen und Schüler das Thema Klimawandel selbst in die Hand nähmen, z. B. in Form von spontanen Zusammenkünften, Kampagnen in sozialen Medien, konkreten Aktionen, Klimastreiks?

Graph 3

Ein Großteil der Befragten gab an, ihre Schule würde aktive Klimakampagnen der Schülerinnen und Schüler unterstützen (39 %) oder es den Lehrkräften überlassen, wie sie darauf reagieren (38 %). Andere Befragte (11 %) antworteten, die Schule würde sich neutral verhalten. Nur weniger als 4 % glaubten, ihre Schule würde von Schülerinnen und Schülern organisierte Aktionen wie Sensibilisierungskampagnen und Märsche missbilligen.

4. In welchem Grad stimmen Sie den folgenden Aussagen zu?

Graph 4

Stimme absolut nicht zu

Stimme nicht zu

Keine Meinung

Stimme zu

Stimme voll zu

Die Meinungen, ob Lehrkräfte über das nötige Wissen und die Ressourcen für Klimabildung verfügen, waren geteilt: 45 % stimmten nicht oder absolut nicht zu, während 42 % den entgegengesetzten Standpunkt vertraten. Über 90 % der Teilnehmenden stimmte der Aussage zu bzw. voll zu, dass Klimabildung leicht in andere Fächer als Naturwissenschaften und Geografie integriert werden könne. Nur 35 % stimmten der Aussage zu oder stimmten voll zu, dass ihr Lehrplan alle Aspekte des Klimawandels abdecke. Schließlich waren sich rund 60 % der Befragten einig, dass der Lehrplan Möglichkeiten biete, über Engagement gegen den Klimawandel sowie ökologische Fakten ins Gespräch zu kommen. Insgesamt scheinen alle Teilnehmenden der Aussage zuzustimmen, das Thema habe einen interdisziplinären Charakter mit vielen Fachbereichen und Diskussionsmöglichkeiten.

5. In welche Richtung wird sich die Einstellung zur Klimabildung in den nächsten zwei Jahren entwickeln?

Graph 5

Nicht wichtig: Die Beschäftigung mit anderen Krisen wie Kriegen und globalen Pandemien sollte in der Schulbildung Vorrang vor dem Klimawandel haben

Neutral: Es ist etwas, womit man sich neben anderen gesellschaftlichen Fragen befassen sollte

Wichtig: Es wird als Thema betrachtet werden, das an den Schulen behandelt und diskutiert werden muss

Laut 61 % der Antworten sehen Schulbehörden den Klimawandel als ernstes Problem, das in der Schule besprochen und behandelt werden sollte. Lehrkräfte und Schulleitungen teilen diese Ansicht noch verstärkt (71 %), ebenso wie die Schülerinnen und Schüler (73 %). Trotzdem rechnen viele damit, dass die Einstellung zum Klimawandel neutral bleibt oder gegenüber anderen globalen Problemen wie Pandemien in den Hintergrund tritt (39 % der Bildungsbehörden, 29 % der Lehrkräfte und Schulleitungen und 28 % der Schülerinnen und Schüler vertreten diese Ansicht).

Fazit

Die Hintergründe der Erderwärmung werden vom TIMMS Science Framework bereits als wichtiger Teil der naturwissenschaftlichen Bildung anerkannt. Außerdem empfehlen Forscher dringlich, das Thema Klimawandel nicht nur in den Naturwissenschaften zu behandeln, da es sich aufgrund seiner Komplexität auch für kritisches Denken anbietet. Die Forschung zeigt, dass Bildung in diesem Bereich nicht zu negativen Reaktionen sondern vielmehr zu verstärktem Engagement führen kann, indem Hoffnung und erzählerische Elemente und Geschichten in den Vordergrund gestellt werden.

Die Umfrageergebnisse zeigen die Komplexität von Klimabildung. Über die Hälfte der Befragten ist der Ansicht, das Thema sei in ihrem Lehrplan nicht ausreichend berücksichtigt und sie benötigten für eine Behandlung im Unterricht mehr Unterstützung und Weiterbildungsmöglichkeiten. Obwohl sich ein Großteil der Befragten einig war, dass Schulen das Thema mehr behandeln sollten und es auch in andere Fächer als Naturwissenschaften und Geografie problemlos integrierbar sei, empfanden andere das Thema als politisch heikel und wissenschaftlich nicht ausreichend belegt. 77 % der Teilnehmenden stimmten überein, dass Schulen oder einzelne Lehrkräfte das Engagement der Schülerinnen und Schüler unterstützen sollten, während etwa 11 % neutral bleiben würden.

Anhang: Profil der Befragten

Graph 6

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