Education Talks: Personalisiertes Lernen stellt SchülerInnen in den Vordergrund

In der Folge des TeachUP-Projekts wollten wir mehr über personalisiertes Lernen und seine Anwendungsbereiche erfahren. In diesem gemeinsamen Interview diskutieren Karen Triquet (Vrije Universiteit Brüssel) und António Manuel Silva (Bildungsministerium, Portugal), wie sich personalisiertes Lernen von Personalisierung unterscheidet und was Lehrkräfte tun können, um es in ihren Unterricht zu integrieren.

Was ist der Unterschied zwischen „Personalisierung“ und „personalisiertem Lernen“?

Karen: Ich glaube, dass es beim personalisierten Lernen wirklich um den Einzelnen in seinem spezifischen Kontext geht, um seine Lernbedürfnisse, seine Interessen, ... während Personalisierung eher mit den technologischen Aspekten zu tun hat und danach fragt, wie Technologie an die Bedürfnisse unterschiedlicher Lernender angepasst werden kann. Aber vielleicht können Sie noch was zu personalisiertem Lernen ergänzen.

António: Ich stimme Ihnen voll und ganz zu, aber ich glaube, dass es beim personalisierten Lernen in erster Linie um die Entwicklung von Talenten, um die Entwicklung des Individuums geht. Beim personalisierten Lernen liegt der Schwerpunkt auf der Einbindung jedes einzelnen Schülers. Denn manchmal denken wir bei personalisiertem Lernen an die Vereinzelung der SchülerInnen, aber das ist nicht der Punkt – der Punkt ist: Wie können wir die SchülerInnen einbinden und ihre Fähigkeiten besser verstehen? Eine wirksame Methode des personalisierten Lernens ist Peer-Learning. Es ist also für alle SchülerInnen ganz wichtig, in Gruppen eingebunden zu sein und selbstständig bei unterschiedlichen Aufgaben zusammenzuarbeiten – PBL zum Beispiel.

Wie lässt sich personalisiertes Lernen bewerten?

Karen: Wenn man den SchülerInnen diese Möglichkeit bietet, wenn man dieses Ökosystem aufbaut, sollte man Reflexion bewerten – das ist eine große Veränderung. Aber Sie sollten bewerten, welche Wahl die SchülerInnen haben, und welche Vision Sie eigentlich verfolgen, nämlich personalisiertes Lernen, was einen zwingt, die Art und Weise der Bewertung zu verändern. Das heißt sehr viel mehr formative Bewertung während des Lernprozesses, nicht nur für die Lehrkraft, sondern als etwas, das an den Schüler zurückfließt. Wie sollten die SchülerInnen ihr Denken reflektieren? Wie lernen sie besser?

Welche Ergebnisse hat das TeachUP-Projekt in Sachen personalisiertes Lernen hervorgebracht?

António: Der Hintergrund dieses Versuchs ist die Frage, wie sich die Abschlussquoten in Online-Lehrerfortbildungen verbessern lassen. Das ist sehr wichtig. Vor diesem Hintergrund prüfen wir Mentoring-Systeme und entwickeln Lernanalytik-Tools, um auf den spezifischen Bedarf der einzelnen Schulungen zu reagieren. Das ist also eine Art Personalisierung und personalisiertes Lernen und dieser Versuch wird in einem sehr kontrollierten Umfeld durchgeführt, um durch die Entwicklung von vier MOOCs für Nachhaltigkeit und Produkte und Ergebnisse zu sorgen. Bei einem davon geht es übrigens um personalisiertes Lernen.

Karen: Wir wissen, dass MOOCs und entsprechende Kurse sehr viel Selbstverantwortung des Lernenden erfordern. TeachUP versucht in der Tat durch seinen experimentellen Ansatz, herauszufinden, wie sich der Lernende einbinden lässt – und dann über die verschiedenen Datentypen abzubilden, wie sich der Lernende verstehen lässt und wie man auf ihn reagieren kann... Dabei verlässt man sich aber nicht nur auf personalisiertes Lernen oder Personalisierung, was die EdTech-Dimension wäre, sondern sorgt auch für Teilhabe.

Welche ersten Schritte in Richtung personalisiertes Lernen können Lehrkräfte gehen?

Karen: Ich denke, Sie als Lehrkraft haben viele Möglichkeiten, Ihren SchülerInnen Wahlmöglichkeiten zu geben. Sie wissen, welche Standards und Ergebnisse Sie erwarten, aber wo lassen sich da Wahlmöglichkeiten einbauen? Wo können die SchülerInnen eigenverantwortlich agieren? Und dann geht es auch ganz einfach darum, zu verstehen, wer Ihre SchülerInnen sind. Was ist ihnen wichtig? Und meiner Meinung nach geht es für die Lehrkraft auch um einen Vordbildcharakter. Sich selbst und die Art und Weise, wie man lernt, auf individuelle Weise weiterzuentwickeln, gibt Ihnen eine viel bessere Strategie und Toolbox an die Hand und Ideen, was Sie für Ihre SchülerInnen möglich machen können. Aber vielleicht sehen Sie da auch noch was Anderes...

António: Ich denke, man sollte das Ganze nicht als geschlossenen Bereich, als geschlossenes Ökosystem sehen. Personalisiertes Lernen bringt die Gemeinschaft in alle Lernprozesse. Deshalb müssen wir glaube ich besser verstehen, in welchem Kontext wir uns bewegen, in welchem Kontext sich unsere SchülerInnen bewegen, und dann können wir einen Plan machen, um all diese Aufgaben, all diese Bereiche einzubinden.