Education Talks: Lehramtslaufbahnen heute

Der Lehrberuf wandelt sich, aber warum und wohin? In diesem Videointerview von der Veranstaltung Supporting Key Competence Development erklärt Margit Timakov, Leiterin des estnischen Lehrerverbands, warum eine starre, lineare Berufslaufbahn im Lehramt heute der Vergangenheit angehört.

Wie hat sich die Sicht auf den Lehrberuf gewandelt?

Ich denke, der Lehrberuf hat sich in den letzten Jahrzehnten gewandelt, denn Lehre und Bildung sind flexibler geworden, und darum muss auch der Lehrberuf flexibler sein. Vor 20 oder 30 Jahren ging man davon aus, dass Lehrkräfte ihr Fach unterrichten und mehr nicht. Heute geht es viel mehr um Kooperation auf Schulebene, auf Landesebene und auch international, d. h. Lehrkräfte haben mehr Verantwortung und Aufgaben. Es gibt viele Menschen auf dem Arbeitsmarkt, die bereit sind, für ein paar Stunden in der Schule zu unterrichten, z. B. ein Wahlfach, aber sie wollen nicht in Vollzeit als Lehrkraft arbeiten. Man muss solchen Menschen, die bereit sind, sich im Schulalltag und in der Bildung zu engagieren, das auch ermöglichen.

Wie sieht eine typische Lehramtslaufbahn aus?

Das Lehramt ist sicher kein Beruf und keine Laufbahn, in der es nur aufwärts geht. Es kann hierhin und dorthin gehen, mal zurück, mal im Kreis, mit unterschiedlichen Perspektiven. Sehr oft liegt im Lehramt der berufliche Wechsel oder die Karriereleiter nur in der Lehrkraft selbst. Sie ist nicht vertikal, nicht einmal horizontal, sie ist wohl eher eine Mischung, wie ein Kaleidoskop. Der Berufsweg ändert sich eher mit der Person selbst: Durch den Erwerb neuer Kompetenzen, die entsprechende Anerkennung und das, was sich aus diesen neuen Kompetenzen ergibt – neue Aufgaben und alle möglichen Tätigkeiten, die in der Schule und im Bildungssystem gebraucht werden.

Wo liegen Chancen und Probleme im Bereich Lehrkräftemobilität?

Beim Thema Lehrkräftemobilität hängt sehr viel ab von den Sprachkenntnissen der betreffenden Lehrkräfte. Es stellt sich auch das Problem: Wer übernimmt die Vertretung? Wer übernimmt den Unterricht, solange die Lehrkraft nicht da ist? Gleichzeitig entstehen aber auch schöne Möglichkeiten zur Kooperation, wenn bereits eine Kooperation und Vertrauen zwischen den Schulen bestand. Es wird eher als Weiterbildung und nicht als Mobilität betrachtet, was vielleicht etwas komisch und abschreckend klingt. Beim Thema Mobilität spielen die Gründe eine wichtige Rolle. Wozu das Ganze? Woran denken wir bei Lehrkräftemobilität? Geht es nur darum, ein neues Land kennenzulernen, oder geht es um Weiterbildung, bei der man sich Ziele setzt und mit anderen zusammenarbeitet? Wenn man es so sieht, wenn man es so darstellt, wenn es von Lehrkräften erwartet wird, ist es nicht mehr komisch und unangenehm, sondern wird spannend, lohnenswert und notwendig.