Umgang mit Mobbing und Gewalt in der Schule: Schlüsselstrategien, mit denen sich Schulen befassen sollten

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Mobbing in der Schule ist ein ernstzunehmendes Problem und sollte als solches anerkannt werden. In den letzten Jahrzehnten ist bekannt geworden, dass die Auswirkungen von Mobbing langfristig sind. Trotzdem verfügen viele europäische Länder nach wie vor noch nicht über nationale Strategien dagegen. Dr. Paul Downes vom DCU Institute of Education erklärt, wie Schulen in diesem Bereich Änderungen erreichen können.

Die allgemein akzeptierte Definition von Mobbing ist, dass es a) absichtlich ist, b) wiederholt geschieht und c) auf einem Kräfteungleichgewicht zwischen Opfer und TäterIn beruht. (Cybermobbing ist nicht Gegenstand des vorliegenden Artikels.) Mobbing ist ein mehrdimensionales Problem, das eine Vielzahl an Antworten erfordert. So können manche Aspekte von Aggression mit sprech- und sprachbezogenen Schwierigkeiten zu tun haben, andere mit gesellschaftlichen Vorurteilen gehen ethnischen Minderheiten oder der LGBTI-Gemeinschaft.

Schulen können vor allem damit zur Prävention von Mobbing beitragen, dass sie ein möglichst breites Umfeld schaffen, das integrierend statt gewaltsam wirkt und auf Beziehungen statt auf Ausgrenzung setzt. Das beginnt mit der Lehrkraft im Unterricht, z. B. Lehrplänen, bei denen die SchülerInnen Beziehungskompetenz erwerben und etwa lernen, Gefühle zu benennen, zusammenzuarbeiten und sich abzuwechseln, Mobbing-Gedichte zu schreiben und Rollenspiele zur Konfliktlösung einzuüben (beispielsweise Konflikte zwischen tierischen Charakteren, die von den SchülerInnen nachgespielt werden). Bei der Reaktion auf Mobbing ist außerdem wichtig, dass die Lehrkraft die Situation auch aus der Perspektive des Täters oder der Täterin und nicht nur aus der des Opfers betrachtet. Dafür muss die Lehrkraft Fragen stellen und darf nicht gleich mit Anweisungen und Verurteilungen kommen. Eine ärgerliche Reaktion der Lehrkraft setzt nur noch mehr Ärger frei.

Die Lehrkraft sollte insbesondere darin ausgebildet sein, offene Fragen zu stellen. Hier einige Beispiele von Holtham:

  • Kannst du mir in deinen eigenen Worten erzählen, was heute passiert ist?
  • Kannst du mir sagen, was du da gedacht hast?
  • Was glaubst du, wie X (Opfer) darüber denkt?
  • Wenn du die Situation nochmal erleben müsstest, was würdest du anders machen?

Die Konsequenz für den/die TäterIn kann dann erfolgen, wenn die Lehrkraft die Geschichte gehört hat. Dazu kann die Weiterverfolgung mit einem individuellen Bildungs- und Wohlfühlplan einschließlich klarer Ziele für Veränderung im Dialog mit dem/der TäterIn und seinen/ihren Eltern mit schnellen Rückmeldungsprozessen und möglicherweise einer schriftlichen Entschuldigung beim Opfer gehören.

Narrative Ansätze setzen den Schwerpunkt auf öffentliche Zeremonien wie Friedenspakte innerhalb einer Klasse oder zwischen Klassen mit ehemaligen TäterInnen. Auch sichtbare Antimobbing-Aussagen auf den Schulwänden können hilfreich sein.

Zu den Strategien, die nicht funktionieren, gehören: Drohungen und Herabsetzung, so genannte Nulltoleranz-Ansätze mit Ausgrenzung und Bestrafung, Ausschluss und Verweisen. Bei diesen ist die Gefahr hoch, dass sie sich unverhältnismäßig häufig gegen rassische oder ethnische Minderheiten richten, während Strategien zur Verteidigung durch die Peers – andere SchülerInnen darin zu schulen, aktiv einzugreifen – immer stärker in Frage gestellt werden. Insgesamt hat man herausgefunden, dass die Prävention von Mobbing bei jüngeren Kindern besser funktioniert als bei älteren SekundarschülerInnen.

Das zeigt, wie wichtig es ist, die SchülerInnen aktiver in die Gestaltung der Mobbingprävention und eines inklusiven schulischen Umfelds mit Videos, Lehrplanressourcen usw. einzubinden. Mobbingprävention für die ganze Schule muss mit den SchülerInnen geschehen und darf sich nicht ausschließlich an sie richten. Für die gesamte Schule zuständige Ausschüsse, in die die SchülerInnen zentral eingebunden sind, können systemische Veränderungen herbeiführen und für ein besseres Kommunikationsklima sorgen. Aus dieser Perspektive ist Mobbing auch ein Kommunikationsthema: Die Forschung zeigt, dass sich Mobbing in Bereichen durchsetzt, in denen die Lehrkräfte zwischen dem Status der SchülerInnen unterscheiden (zum Beispiel zwischen einheimischen und zugewanderten SchülerInnnen).

Es ist außerdem wichtig, im Hinterkopf zu haben, dass Mobbing von Lehrkräften häufig unterschätzt wird und sich im Laufe des Schuljahres verändern kann. Deshalb sind regelmäßige Befragungen notwendig. Mobbing kann darüber hinaus auch orts- und zeitspezifisch sein: zum Beispiel auf dem Schulhof, zwischen den Stunden oder direkt nach der Schule.

Wenn sich Schulsysteme in diametral gegensätzlichen Räumen bewegen, das heißt geschlossen, nicht interaktiv, ausschließend, hierarchisch und starr organisiert sind, bietet das einen idealen Nährboden für Mobbing und Ausgrenzung. Ein konzentrisches räumliches Beziehungsgeflecht hingegen ist interaktiv, inklusiv, offen und fließend und kann zu einem positiven Schulklima beitragen.

Diametric dualism versus concentric dualism

Abb. 1. Haltungen und Spaltzung, z. B. in „Gut/Böse“, „Innen/Außen“, „Lehrkraft/SchülerIn“
Abb. 2. Menschen und Erfahrungen können miteinander vernetzt sein

Bei einigen Kindern, die Andere mobben, kann es so sein, dass sie damit Gewalt oder Traumata, die sie selbst erfahren haben, weitergeben. Das bedeutet, dass ihre Mobbingmuster tief verankert sind und daher fächerübergreifende Unterstützung durch das Team erfordern. Die Lehrkräfte spielen eine Rolle bei der Stressprävention, sind aber keine TherapeutInnen.

Forschungen haben gezeigt, dass die wirksamsten Bestandteile eines Antimobbingprogramms die folgenden sind: Schulung/Treffen der Eltern, Schulung der Lehrkräfte, verbesserte Pausenaufsicht, disziplinarische Maßnahmen (die sich nicht auf bestrafende und Null-Toleranz-Ansätze reduzieren lassen), gemeinsame Gruppenarbeit der verschiedenen Fachleute, Schulversammlungen, Klassenregeln und -management und eine die ganze Schule verpflichtende Antimobbing-Politik.

Leseempfehlungen:

Unsere beiden von der Europäischen Kommission veröffentlichten Berichte schlagen Strukturindikatortool für Schulen zu a) mehrdimensionalen Strategien für die Mobbingprävention und b) Ansätzen für multidimensionale inklusive Systeme vor.


Dr. Paul Downes ist Außerordentlicher Professor für Bildungswissenschaft (Psychologie) am Institute of Education der Dublin City University. Er war bereits mehrfach als Berater für die Europäische Kommission tätig und ist Verfasser von mehr als 90 Veröffentlichungen.