Umweltbezogener Unterricht: „Es gibt nichts zum Nulltarif.“

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Der sich verändernde Lebensstil und die konsumorientierte Grundhaltung – das Bestreben, immer mehr, immer Besseres, immer das Neueste zu besitzen – erfordern einen zeitgemäßen Unterricht über die Umwelt und den Klimawandel. Die Lernstrategien müssen die Wechselbeziehung zwischen Mensch und Umwelt hervorheben, um zu zeigen, welche wichtige Rolle jeder Einzelne spielt und welche Folgen unser Handeln hat. Anna Rabajczyk von der Universität Bielsko-Biala argumentiert, dass ein neues Bildungsparadigma sowohl für uns selbst als auch für die Orte, an denen wir leben, entscheidend ist.

Von allen Seiten werden wir mit Informationen überflutet – mit Fotos und Filmen, die die Qualität und den Zustand der Umwelt zeigen. Aber die Gesellschaft ist gegenüber solchen Formen der Kommunikation abgestumpft. Es gibt einfach zu viel davon. Laut Eurobarometer 2017 geben mehr als neun von zehn Befragten (94 %) an, dass der Schutz der Umwelt für sie persönlich wichtig ist, mehr als die Hälfte (56 %) halten ihn sogar für sehr wichtig. Die wichtigste Frage wurde jedoch nicht gestellt: Was können wir selbst zum Schutz der Umwelt tun – ohne Zwang und jeden Tag?

Wasser um uns herum – von klein auf lernen

Bild: A. Rabajczyk. Wasser um uns herum – von klein auf lernen

Studenten auf dem Gebiet des Umweltschutzes und der Umwelttechnik oder Menschen mit einer Ausbildung im Umweltmanagement sagen oft, dass das für sie nur ein Job ist – dass sie im Alltag nicht auf die Umwelt achten. Bei der Suche nach Einsparpotenzialen denken sie jedoch ökologisch. Sie installieren Geräte, die erneuerbare Energiequellen nutzen, oder erzeugen weniger Abfall, indem sie weniger kaufen.

Natürlich gibt es Gruppen, die sich ökologisch engagieren, aber im Zeitalter des Umweltwandels ist das nicht genug. Jeder von uns muss sich einbringen, unabhängig von Alter und Ort. Deshalb muss die Umweltbildung an das angepasst werden, was den Menschen, d. h. uns persönlich, wichtig ist: Geld (reden wir offen), Gesundheit, Sauberkeit der Orte, an denen wir leben oder an denen wir uns entspannen. Wir wollen nicht den unangenehmen Geruch von Müll riechen, wir wünschen uns gesunde Lebensmittel und sauberes Wasser. Die Aufgabe der Bildung ist es daher, Einstellungen zu fördern, die diese beiden Welten miteinander verbinden – die alltäglichen Bedürfnisse und die Anforderungen der Ökologie.

Ausrüstung für die Flussanalyse

Bild: Krzysztof Chrzan, Doktorand. Ausrüstung für die Flussanalyse

Nur über die Notwendigkeit des Umweltschutzes zu reden, bringt uns nicht weiter. Das Reden über zukünftige Generationen führt auch zu nichts. Wir müssen hier und jetzt deutlich machen, wie sich Smog auf die Gesundheit auswirkt, welche Folgen unser Handeln und unsere Entscheidungen für unser Leben und unsere Finanzen haben. „Es gibt nichts zum Nulltarif“ muss das Leitprinzip von Zusammenkünften im Bereich des Umweltschutzes sein.

Wir müssen durch Experimente veranschaulichen, welche Veränderungen in der Umwelt stattfinden, welche Veränderungen die Luftverschmutzung und der Klimawandel in uns selbst bewirken, und wir müssen den Ausweg zeigen. So müssen beispielsweise die durch die Luftverschmutzung verursachte Zerstörung von Gebäudefassaden, Landmaschinen und Autos und die dadurch anfallenden Kosten für Reparatur und Renovierung deutlich gemacht werden. Verschmutzte und beschädigte Kleidung, Hautprobleme und Atembeschwerden und die damit verbundenen Arzneikosten, Schwächezustände und Krankheiten sind aufzuzeigen. Leicht verständliche Informationen müssen vermittelt werden: Handlung – Wirkung; Verschmutzung – du trägst die Konsequenzen.

Die Entwicklung der ökologischen Verantwortung kann nicht selektiv erfolgen, in ausgewählten Unterrichtsstunden von Zeit zu Zeit oder an „ökologischen Schulen“ und durch zusätzliche Aktivitäten, die nur für wenige Personen bestimmt sind. Die beste Lösung wäre die Schaffung eines fächerübergreifenden Programms, das während des gesamten Schuljahres durchgeführt wird, Wissen aus verschiedenen Bereichen kombiniert und praktischen Unterricht, Projekte und die Zusammenarbeit mit anderen Schulen und in- und ausländischen Einrichtungen umfasst.

Ökologie muss unser Wesen prägen, sie darf nicht eine Option unter mehreren sein.


Anna Rabajczyk ist Professorin an der Universität Bielsko-Biala in Polen. Als Mitglied des Polish Ecology Club beteiligte sie sich an der Ausarbeitung verschiedener Bildungsprogramme. Sie verfügt über umfangreiche Unterrichtserfahrung und beschäftigt sich mit Fragen der Umwelttechnik, der chemischen Umwandlung unter verschiedenen Umweltbedingungen, der Biotechnologie und der Nanotechnologie.

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