Niemals aufgeben: Wie man vorzeitigen Schulabgang bekämpft

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Bildung ist einer der wichtigsten Wettbewerbsvorteile eines Landes, und für junge Menschen ist es unerlässlich, eine abgeschlossene Ausbildung zu haben, damit sie die Chancen auf dem Arbeitsmarkt nutzen können. Aber ist es wirklich das, was zum Lernen in der Schule motiviert? Und was können die Schulen tun, um Schulabbrüchen entgegenzuwirken? Der Bildungsexperte Per Kornhall hat hierzu einige Vorschläge.

Wenn man sich Schulen ansieht, die vorzeitige Schulabgänge erfolgreich bekämpfen, stellt man fest, dass sie sehr unterschiedlich sind, aber auch, dass es trotz dieser Unterschiede wichtige Gemeinsamkeiten gibt. Zum einen geben sie bei keiner Schülerin und keinem Schüler jemals die Hoffnung auf. Sie denken ständig darüber nach, was sie noch versuchen könnten, damit sie oder er Erfolg hat. Sie sind bereit, dafür zusätzliche Anstrengungen zu unternehmen. Aber warum?

Die erste und wichtigste Antwort ist, dass die Motivation dieser Lehrkräfte und Schulleiter/innen nicht auf den oben genannten Wettbewerbsvorteilen, zum Beispiel dem Bruttosozialprodukt (BSP), beruht. Was sie motiviert, ist die Begegnung mit einem jungen Menschen und die Möglichkeit, sein Leben zum Besseren zu wenden. Und das wiederum hängt eng mit der demokratischen Mission der Bildung zusammen. Unsere demokratischen Gesellschaftsordnungen beruhen auf dem Grundsatz, dass alle Menschen gleich wertvoll sind. Damit diese Prämisse umgesetzt werden kann, ist es jedoch notwendig, dass alle Mitglieder der Gesellschaft über das Wissen und die Hilfsmittel verfügen, die sie brauchen, um einer Arbeit nachgehen zu können und diese Gleichheit zu erreichen. Dieses Grundprinzip gilt bereits seit dem Zeitalter der Aufklärung. Schulen, denen es gelingt, vorzeitige Schulabgänge zu verhindern, zeichnen sich dadurch aus, dass ihre Leitung einen entsprechend starken moralischen Antrieb besitzt.

Ein anderes Kennzeichen solcher Schulen ist es, dass sie starke Netzwerke unter den Lehrkräften sowie zwischen den Lehrkräften und der Schulleitung und den verschiedenen Berufsgruppen an den Schulen mit dem lokalen Umfeld und den Eltern pflegen und vorantreiben. Das dritte Merkmal ist, dass sie Schulversagen nicht den Schülerinnen und Schülern, Eltern oder dem Umfeld anlassten, sondern sich ständig fragen, was sie selbst tun können, um die Schüler/innen besser zu erreichen und in ihren Bildungsprozess einzubeziehen. In einem der drei Filmbeispiele, die jetzt im European Toolkit for Schools verfügbar sind, hat die Schulleitung der Malmaskolan in Schweden eine Person eingestellt, die Schüler/innen von zu Hause abholt, um sie zur Schule zu bringen und ihnen dort vor Beginn des Unterrichts ein Frühstück zu geben. Sie hatte beschlossen, alles zu tun, was nötig ist, um den gesetzlichen Anspruch zu erfüllen, dass die Schule allen Schüler/innen zum Erfolg verhelfen soll.

Ein weiteres Kennzeichen solcher Schulen ist, dass sie ständig auf das Ergehen der Schüler/innen achten. Sie tun dies nicht, um einer Behörde oder Verwaltungseinrichtung Zahlen zu präsentieren, sondern aus eigenem Antrieb, damit sie die Bedürfnisse der einzelnen Schülerinnen und Schüler nicht übersehen und die Bereiche feststellen, in denen sie sich weiterentwickeln müssen.

Allerdings benötigt jede Schule dafür auch ausreichend Ressourcen, die der jeweiligen sozioökonomischen Zusammensetzung des Einzugsgebietes entsprechen. Die einzelnen Schulen müssen zudem Teams mit zahlreichen Kompetenzen, Einfallsreichtum und – was am wichtigsten ist – viel Mut zusammenstellen. Es ist klar ersichtlich, dass Schulen, die es schaffen, vorzeitige Schulabgänge zu verhindern, eine Schulleitung haben, die es wagt, auch ungewöhnliche Maßnahmen zu ergreifen und sich ggf. sogar über ungeschriebene (und nicht selten schriftlich festgelegte) Regeln hinwegzusetzen, um ihren Anspruch zu erfüllen, dass alle Schüler/innen ihre Ziele erreichen Sie tun dies, weil sie sich an moralischen Grundsätzen orientieren. Unsere Schulsysteme müssen deshalb den Schulleitungen die Möglichkeit bieten, autonom zu handeln.

Der letzte wichtige Faktor ist, dass Schulleiter/innen lange Zeit an den Schulen mit Optimierungsbedarf bleiben müssen. Zwischen der Kontinuität der Schulleitung und den schulischen Ergebnissen besteht ein klarer Zusammenhang. Warum? Weil es lange Zeit dauert, die Kompetenzen und verlässlichen Beziehungen zu entwickeln, die erforderlich sind, damit sich die Menschen in einer Organisation sicher fühlen und motiviert sind, genügend in die Optimierung der eigenen Fähigkeiten zu investieren. Wenn diese Sicherheit gegeben ist und auch Herausforderungen bestehen, kann sich die/der Einzelne weiterentwickeln und auch die Entwicklung der anderen vorantreiben.


Per KornhallPer Kornhall (@kornknarr), PhD, ist ein unabhängiger Experte und Autor. Er war Direktor für Bildung an der nationalen Bildungsagentur in Schweden und arbeitete als Schulstratege in einer schwedischen Gemeinde. Er ist Vorsitzender der SLFF, der Urheberrechtsorganisation für schwedische Autoren von Lehrbüchern und -materialien. Seit 2013 ist er Mitglied im Netzwerk unabhängiger Bildungsexperten der Europäischen Kommission. Er hat mehrere Bücher über die berufliche Weiterentwicklung und Analysen des schwedischen Schulsystems veröffentlicht.