Entscheidungsträger/innen der Zukunft: Gemeinsam Nachhaltigkeit schaffen

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Wie können wir dazu beitragen, dass die Kinder und Jugendlichen zu reflektierenden und verantwortungsbewussten Bürgerinnen und Bürgern werden und komplexe Probleme wie den Klimawandel verstehen? Der Co-Design-Ansatz ist hier ein erfolgversprechender Weg. In diesem Artikel beschreibt Professorin Maija Aksela von der Universität Helsinki eine Reihe von Herangehensweisen und Beispiele gelungener Aktivitäten.

Gemeinsam sind wir stärker!

Bildung ist ein Schlüsselelement der Nachhaltigkeit (UNESCO, 2019). Die Förderung von wissenschaftlicher Kompetenz, nachhaltigem Handeln und kritischem Denken durch zukunftsorientierte und transformative Bildung ist von größter Bedeutung. Eine enge Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern/-innen an Hochschulen oder Experten/-innen in anderen Bereichen hat sich in dieser Hinsicht als fruchtbar erwiesen, zum Beispiel beim LUMA-Netzwerk, an dem sich elf finnische Universitäten beteiligen. Fünfzehn LUMA-Labors an Universitäten, z. B. das ChemistryLab Gadolin, unterstützen die Zusammenarbeit von Schüler/innen, Lehrkräften und Wissenschaftlern/-innen oder anderen Experten/-innen. Durch Besuche und Diskussionen lernen die zukünftigen Entscheidungsträger/innen und ihre Lehrkräfte das wissenschaftliche Arbeiten im Kontext der Nachhaltigkeit kennen, insbesondere die Art und Zuverlässigkeit des Erkenntnisgewinns, zum Beispiel in der Grünen Chemie, und setzen das gemeinsam Erlernte um.

Ein erfolgreiches Beispiel dafür, wie man gemeinsam eine bessere Zukunft gestalten kann, ist das internationale und preisgekrönte StarT-Programm, bei dem kreative Schüler/innen bzw. Studierende das gemeinsame projektbasierte Lernen in der formalen, nicht-formalen und informellen Bildung von der frühen Kindheit bis zur Universität praktizieren.

Der Co-Design-Ansatz als Modell

Der Co-Design-Ansatz mit den verschiedensten Gruppen von Lernenden –Schüler/innen, Lehrkräfte, Lehrerausbilder/innen, Wissenschaftler/innen, andere Experten/-innen oder Branchenexperten/-innen, Familienmitglieder – ist eine Möglichkeit, die neuesten Forschungsergebnisse und Innovationen im Bereich der Nachhaltigkeit in die Praxis umzusetzen, sowohl zur Unterstützung des Schullehrplans als auch zur Förderung der Weiterbildung der Lehrkräfte über die Bildung verschiedener Lerngemeinschaften. Das nationale LUMA2020-Programm und das Internationale Forum zum Klimawandel für Lehrkräfte sind Beispiele für einen erfolgreichen Co-Design-Prozess mit Wissenschaftlern/-innen und anderen Experten/-innen im Bereich Klimawandel, ebenso wie der Kurs International Global Challenges for Youth. Persönliche Anleitung und kreative digitale Lernangebote wie MOOCs können den Co-Design-Ansatz vereinfachen. Seit 2003 wurden verschiedene neue Lösungen und pädagogische Innovationen gemeinsam entwickelt.

Hilfreich sind auch nicht-formale Lernumgebungen wie Wissenschaftsclubs und Wissenschaftscamps. Außerdem sollte Kooperation so bald wie möglich in der frühen Kindheit eingeübt werden.

<LUMA-Zentrum Finnland

Bild: LUMA-Zentrum Finnland

Lernende als Co-Designer/innen

„In unseren Kursen haben wir eine Menge über die ökologischen Probleme der Welt wie den sauren Regen, den Treibhauseffekt, den Ozonabbau und anderes gelernt. Wir kennen viele Gründe, warum solche Probleme auftreten, aber ich möchte auch Lösungen wissen.“ (ein/e junge(r) Teilnehmer/in im nicht-formalen LUMA-Wissenschaftscamp)

International Global Challenges for Youth, LUMA-Zentrum Finnland

Bild: International Global Challenges for Youth, LUMA-Zentrum Finnland

Die Fragen, Interessen, Ängste und Handlungen der Lernenden sind lohnende Ansatzpunkte für die Mitgestaltung der Vermittlung von wissenschaftlicher Kompetenz und Nachhaltigkeit. Offensichtlich haben Schülerinnen und Schüler ähnliche Fragen zum Klimawandel wie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Die Lernenden sind auch an einer ganzheitlichen Behandlung der Nachhaltigkeit interessiert, die gesellschaftliche, moralische und ethische Fragestellungen sowie mögliche Lösungen umfasst.

Wie können zukünftige Entscheidungsträger/innen in die Beantwortung von Fragen zur Nachhaltigkeit einbezogen werden? Es gibt zahlreiche bewährte pädagogische Ansätze, zum Beispiel die Recherche auf Basis von Schülerfragen. Warum beginnen Sie eine Unterrichtsstunde nicht damit, dass Sie die Schülerinnen und Schüler um Fragen zum Thema bitten, diese nach Gruppen ordnen und entsprechende Aktivitäten planen? Auf dieser Plattform zum Klimawandel können Wissenschaftlern/-innen Fragen gestellt werden. Das Stellen sogenannter „guter Fragen“ – wie und warum – kann insbesondere die Kompetenzen des 21. Jahrhunderts fördern, darunter das Denken auf höherer Ebene.

Eine Kombination aus naturwissenschaftlicher und politischer Bildung, die zusammen mit anderen Co-Desigern, z. B. Wissenschaftlern, umgesetzt wird, könnte Aktivitäten beinhalten, die die Schülerinnen und Schülern dazu bringen, sich an der Lösung sozialer und naturwissenschaftlicher Probleme zu beteiligen. Dies könnte mithilfe des STEAM-Ansatzes und der Behandlung von Fragestellungen unter verschiedenen Gesichtspunkten geschehen. Zum Beispiel könnte folgende Frage gestellt werden: Was kann ich, was können wir als Gruppe und was können die Entscheidungsträger/innen in verschiedenen Bereichen tun, um zur Lösung eines bestimmten Problems beizutragen? Gemeinsam sind wir stärker!


Professorin Maija Aksela

Professorin Maija Aksela von der Universität Helsinki, Finnland, verfügt über mehr als 30 Jahre Erfahrung in der naturwissenschaftlichen Bildung und der Ausbildung von Chemielehrkräften in Finnland. Sie ist Direktorin des LUMA-Zentrums Finnland und beschäftigt sich mit der weltweiten Umsetzung von Nachhaltigkeitszielen. Außerdem gehört sie der finnischen UNESCO-Arbeitsgruppe und der ALLEA-Gruppe zum Klimawandel an.