Kunstpädagogik an Grundschulen: Die Verbindung von Tanz und bildender Kunst

Bild: Neža Oblak

Durch die Einbeziehung und Kombination von Elementen aus Tanz und bildender Kunst vermittelten Vesna Geršak, Uršula Podobnik und Nuša Jurjevič in ihrem Projekt jungen Kindern das Thema „Industrie“.

Uns interessierte, wie Schülerinnen und Schüler der 3. Klasse (30 Kinder, 8 Jahre) unser kunstpädagogisches Lernmodell aufnehmen würden und ob sich durch die Aktivitäten ihre Vorstellung des Begriffs, ausgedrückt in Bildern, verändern würde. Das Projekt wurde von Lehrkräfte anhand qualitativer Analysen von Interviews und Zeichnungen, SWOT-Analysen und Portfolios ausgewertet.

Die Schülerinnen und Schüler wurden angehalten, sich anhand verschiedener Tanzelemente mit dem Thema auseinanderzusetzen, die auch in der bildenden Kunst eine Rolle spielen: Raum, Zeit und Energie, einschließlich Richtung, Form, Weg, Größe, Rhythmus und Gewicht. Im Vordergrund stand dabei der Lernprozess als solcher, das heißt die Darstellung visueller Elemente, die Förderung der Kreativität sowie die Erweiterung des Begriffs und der künstlerischen Ausdrucksfähigkeit.

Zu Beginn sollten die Kinder malen, wie sie sich eine Fabrik vorstellen:

Dance And Visual Arts_Figure 1

Abbildung 1: Kinderzeichnung einer Fabrik vor (links) und nach (rechts) der Beschäftigung mit dem Thema. Das erste, schlichte rechteckige Gebäude mit Schornstein wurde entsprechend des erweiterten Begriffs einer Fabrik ergänzt.

In der zweiten Phase des Projekts besuchten die Schülerinnen und Schüler eine Museumsausstellung, wo sie Wissenswertes über Industrie und Fabriken erfuhren.

Dance And Visual Arts_Figure 2

Foto: Andrej Peunik

Danach konnten sie sich im Kontakt mit Künstlern (aus Musik, Tanz und bildender Kunst) über das Erlebte und ihre Gedanken austauschen. Die Schülerinnen und Schüler wurden zum Dialog mit den Künstlern, dem Museumskurator, den Lehrkräften und ihren Altersgenossen ermutigt. In Tanz- und Kunstworkshops beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler mit gesteuerten Bewegungen in einer Fabrik, Raum, Installationen, der Rolle des Lichts, freien Bewegungen und physikalischen Reaktionen auf Klangstimulationen. Sie entwickelten Kreativität, bauten Beziehungen auf und konnten den eigenen Einfluss auf Bewegungen, Linien und Verbindungen beobachten.

Dance And Visual Arts_Figure 3

Foto: Sanja Gornjec

Als letzten Teil des Projekts konnten die Kinder eine Tanz- und Kunstgeschichte über Fabriken (die Baumwolle herstellen) aufführen.

Dance And Visual Arts_Figure 4

Foto: Neža Oblak

Nutzen des Projekts für die Teilnehmenden

An den Ergebnissen wurde deutlich, dass sich die Vorstellung des Begriffs bei den Kindern im Laufe des Lernprozesses deutlich erweiterte (Abbildung 1, rechts). Die Schülerinnen und Schüler waren motiviert bei der Sache und es herrschte eine sehr positive Unterrichtsatmosphäre. Als positive Auswirkung des Projekts nannten die Lehrkräfte eine bessere Gruppenarbeit, die Zusammenarbeit aller Beteiligten, eine Stärkung des Selbstbewusstseins und der zwischenmenschlichen Beziehungen sowie die Freude und Ausgeglichenheit der Kinder. Erwähnt wurde auch die wichtige Bedeutung der Kooperation von Schulen, Universitäten, Museen und Künstlern, durch die Kinder auf authentische Weise von Experten lernen können.

Die Kooperation mit Künstlern spielte auch für die fachliche Weiterentwicklung der Lehrkräfte eine bedeutende Rolle. Die Zusammenarbeit von Lehrkräften und Künstlern trug dazu bei, verbreitete Muster zu überwinden und den Lernprozess zu bereichern.

Durch den gegenseitigen Austausch werden neue Konzepte geformt, wodurch es möglich und manchmal auch notwendig ist, eigene Haltungen zu überdenken. Vor diesem Hintergrund begreifen die Schülerinnen und Schüler den künstlerischen Prozess als eine „lebendige“ Arbeitsweise, in dem eine Anpassung eigener Standpunkte möglich und sinnvoll erscheint. Kinder und Lehrkräfte erkennen, dass Veränderung nichts ist, wovor man Angst haben muss, denn sie bedeutet nicht, dass bisherige Ansichten falsch waren, sondern nur, dass in der Zwischenzeit bessere Lösungen gefunden werden konnten. Das Endprodukt wird darum zur Synthese der Erfahrungen, Gedanken und Entscheidungen aus dem Prozess. Ein wesentlicher Bestandteil ist die Erkenntnis, dass jeder Inhalt im Bereich Kunst mehr als eine Ausdrucksmöglichkeit bietet und unterschiedlich betrachtet werden kann. Eine Anpassung der eigenen Sichtweise ist darum immer möglich, wo dies angebracht erscheint. Diese Tatsache gilt nicht nur für den Bereich Kunst, sondern kann auch auf andere Gebiete übertragen werden.


Dieser Artikel von Vesna Geršak, Uršula Podobnik und Nuša Jurjevič basiert auf ihrer Veröffentlichung:

Geršak, V. und Podobnik, U. (2020): "Learning through an artistic experience: Connecting dance and fine art in the project ‘Movement and its trace’" in C. Svendler Nielsen, S. Burridge (Hrsg.): "Dancing Across Borders. Perspectives on Dance, Young People and Change". Oxon: Routledge.

Das Projekt erhielt finanzielle Fördermittel der Pädagogischen Fakultät der Universität Ljubljana.