„Aber es ist doch für meine SchülerInnen – kann ich es teilen?“: ein Tutorial zu Urheberrechten, Unterrichten und zum World Wide Web

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Die Wasser des Urheberrechts sind trüb. Einem Affen, der mit einer gestohlenen Kamera Selfies machte, wurde das Urheberrecht daran zugesprochen; und ein Tattoo gehört technisch gesehen dem Künstler, nicht der Person, die es trägt. Aber Sie sind LehrerIn! Was hat all das mit Ihnen zu tun? Es betrifft Sie, wenn Sie Ihren Unterrichtsentwurf im Internet hochladen, die Bilder einer anderen Person in Ihre Präsentation aufnehmen oder in einem Film, den Sie mit Ihren SchülerInnen drehen, Popmusik verwenden. In diesem Tutorial geben wir Ihnen einige kurze Tipps zur Beachtung des Urheberrechts und einige Gründe, warum Sie sich darum kümmern sollten.

Warum sollte Sie das Thema kümmern?

Das ist eine berechtigte Frage; offensichtlich kümmern sich ja viele Leute nicht um Urheberrechte. Das gilt insbesondere für junge Leute, von denen bis zu 50 % illegale Downloads und Fälschungen gutheißen. Aber das Copyright entspricht einem Urheberpersönlichkeitsrecht: Man sollte von dem, was man erschafft, leben können. Wenn Ihre Arbeiten für jeden zugänglich wären und jeder sie verändern und erneut veröffentlichen könnte, würden sie für Sie kein Einkommen mehr generieren. Und Sie hätten in diesem Fall weder die Mittel noch die Motivation, neue zu erstellen.

Aus diesem Grund unterliegt jedes Originalwerk automatisch dem Urheberrecht, ohne dass der Verfasser dies beantragen müsste.

Das gesamte Thema ist für Europa mit seiner großen wissensbasierten Wirtschaft besonders wichtig: Bereits 2013 trugen Branchen, in denen geistiges Eigentum eine herausragende Rolle spielt, 39 % des BIP der Europäischen Union bei.

Was Sie wissen müssen

Vielleicht fragen Sie sich „Kann ich das nicht teilen, wo es doch für eine gute Sache ist?“. Einen Ausgleich zwischen privaten Rechten und Gemeinnützigkeit zu finden, ist eine der großen Herausforderungen des Urheberrechts.

Zunächst einmal gibt es viele kulturelle Artefakte, die Sie kostenlos nutzen können, ohne sich Sorgen um das Urheberrecht zu machen. Werke, deren SchöpferInnen seit mindestens 70 Jahren tot sind, gelten als gemeinfrei und ihre Nutzung unterliegt keinerlei Einschränkungen mehr – beispielsweise dieses Gemälde:

Still Life with Parrot by Adriaen van Utrecht

Das Bild wird Adriaen van Utrecht zugeschrieben, aber wir hätten nicht darauf hinweisen müssen. Außerdem ist die Version, die Sie hier sehen, nicht bearbeitet; wir hätten sie aber bearbeiten können. Das sind die beiden herausragenden Vorteile der Gemeinfreiheit.

Dann gibt es Arbeiten, die einer Creative-Commons (CC)-Lizenz unterliegen. Diese können kopiert und verbreitet werden, solange der Schöpfer genannt wird. Je nach Art der CC-Lizenz können die Arbeiten mit oder ohne Bearbeitung, nur zu nicht-kommerziellen Zwecken oder auch zu weiteren Zwecken genutzt werden. Foter bietet eine praktische Grafik an, an der Sie sich orientieren können (und die selbst unter CC BY-SA lizensiert ist):

Creative Commons Licenses

Wenn Sie auf Google nach Bildern suchen, lassen sich über „Tools“ einfach Bilder mit der richtigen Lizenz finden:

Google Search Tools

Und auch YouTube verfügt über einen Filter zur Suche von CC-Videos:

YouTube Creative Commons Filter

Außerdem gibt es noch eine ganze Reihe von Webseiten, auf denen frei verwendbare Ressourcen gesammelt werden. Ein bekanntes Beispiel ist Europeana Collections. Eine ausführliche Liste finden Sie am Ende dieses Tutorials.

Man könnte argumentieren, dass Lehrkräfte sich nicht mit nationaler und europäischer Gesetzgebung auskennen müssen sollten, um ihre Arbeit zu machen. Die Europäische Kommission hatte denselben Gedanken, was 2016 zum Vorschlag einer Reform des Urheberrechts führte. Die neue Urheberrechtsrichtlinie sieht eine verpflichtende Ausnahmeregelung vor, die es PädagogInnen ermöglicht, urheberrechtlich geschützte Werke in ihrem Unterricht zu verwenden, sofern sie die Quelle nennen. (Einige Mitgliedstaaten haben bereits eigene Vorkehrungen getroffen, um Urheberrecht und Bildung in Einklang zu bringen, die sie unter bestimmten Voraussetzungen aufrechterhalten können.) Sobald sie umgesetzt ist, sollte die Richtlinie Lehrkräften in allen Situationen Rechtssicherheit garantieren.

Was Ihre SchülerInnen wissen müssen

Wie bereits gesagt tendieren junge Menschen dazu, die Bedeutung des Urheberrechts zu unterschätzen. Eine Möglichkeit, das zu ändern, besteht darin, ihnen den Bezug zu ihren eigenen kreativen Werken aufzuzeigen. Das (in 13 Sprachen verfügbare) WWW-Handbuch für Pädagogen verfolgt genau diesen Ansatz, insbesondere im Kapitel Der Künstler in dir, das drei Unterrichtsentwürfe und zwei Quizspiele umfasst. Ein anderes Beispiel ist das Kreativitätstagebuch des EUIPO, das kreative Aufgaben mit Fakten zum Thema geistiges Eigentum mischt. Es gibt sogar Videos zum Urheberrecht, die sich an Kinder richten, zum Beispiel dieses:

Allgemein gesprochen zählt Urheberrecht zu den Querschnittskompetenzen und sollte sich nicht auf ein Schulfach beschränken. Die Bereiche, die sich am besten für eine Vermittlung des Konzepts anbieten, sind Kunst, Staatsbürgerkunde, Unternehmertum, IKT und MINT.

Zeigen Sie Ihren SchülerInnen, dass Urheberrecht Ihnen wichtig sind, indem Sie gemeinfreie oder CC-Materialien wie die unten genannten verwenden!

Frei verwendbare Ressourcen