Auf Online-Unterricht umsteigen – so meistern Sie diese Herausforderung!

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Daran besteht kein Zweifel: COVID-19 hat die Art und Weise grundlegend verändert, wie Lehrkräfte überall auf der Welt unterrichten. Der gewohnte Präsenzunterricht im Klassenzimmer wurde durch Notfall-Fernunterricht ersetzt. Doch wie können Schulen und Lehrkräfte Online-Unterricht in Zukunft erfolgreich systematisch integrieren? Mehr dazu finden Sie in diesem Tutorial.

Kommunikation und Tools

Bleiben Sie mit Ihren Schülerinnen und Schülern auf jede erdenkliche Art und Weise – per E-Mail, Telefon, Post – in Kontakt. Während der Zeit außerhalb der Schule brauchen Schüler/innen (und Lehrkräfte!) Struktur, Routinen und Sicherheit für eine ununterbrochene Fortsetzung des Bildungsbetriebs.

Sie benötigen zwei Ressourcen: eine Plattform (oder Apps) und ein Tool für Telekonferenzen. Wenden Sie sich an Ihre Schulbehörde und an Regierungsbeamte, um sich über Finanzierungsmöglichkeiten und Programme für Schülerinnen und Schüler zu informieren, die teure Ressourcen wie einen Internetanschluss, Laptops oder Smartphones benötigen. Die COVID-19-Pandemie hat auch einige globale Organisationen dazu bewogen, Unterstützung zu leisten.

Organisieren Sie eine Kommunikationsmöglichkeit. Einige Schulen und Universitäten verfügen über proprietäre Lernmanagementsysteme (LMS) wie z.B. Brightspace oder Blackboard. Wenn Ihre Schule kein LMS hat, nutzen Sie ein Open-Access-LMS wie Canvas, ILIAS, Moodle, Google Classroom oder Schoology. Alle diese Systeme sind kostenlos, einfach zu verwenden und passwortgeschützt und stellen so sichere Umgebungen dar. Wenn Sie keine andere Möglichkeit haben, können Sie mit Ihren Schülerinnen und Schülern auch per Gruppen-E-Mails oder Chats kommunizieren. MyOpenMath und OpenStax bieten auf Open-Access-Servern auch komplette Online-Kurse an.

Online-Unterricht: der Vier-Schritte-Prozess

Viele Lehrkräfte geraten in Panik, fühlen sich überfordert und glauben, sie müssten einen kompletten Online-Kurs mit allen Extras entwerfen. Das ist aber ganz und gar nicht so. Es geht nicht um Tools oder Lehrbücher – es geht um das Lernen!

Krisen wie Pandemien bringen sofortige Veränderungen mit sich, ohne dass viel Zeit für die Vorbereitung bleibt. Sie können jede Woche improvisieren, Neues ausprobieren, wiederholen, was funktioniert hat, und verwerfen, was sich nicht bewährt.

Hier finden Sie einen Vier-Schritte-Prozess für die Gestaltung von Online-Unterrichtsstunden:

  1. Beginnen Sie mit messbaren Lernzielen/Ergebnissen Ihres normalen Präsenzunterrichts im Klassenzimmer.
  2. Suchen Sie nach Kursmaterial, das diesen Lernzielen entspricht. Ihre Schülerinnen und Schüler haben vielleicht ihre Bücher zu Hause – wenn nicht, gehen Sie online und suchen Sie nach YouTube-Clips, Videos, E-Books und Websites zum jeweiligen Thema.
  3. Entwickeln Sie auf der Grundlage dieses Materials eine Lernaktivität, mit der das Lernziel erreicht werden kann. Mögliche Aktivitäten wären Verständnistests, Zusammenfassungen von Kapiteln, kurze Aufsätze sowie die Anfertigung von Zeichnungen und künstlerische Arbeiten. Sie können die Schüler/innnen auch dadurch einbeziehen, dass sie Präsentationen halten müssen. Es muss nicht alles live durchgeführt werden.
  4. Verknüpfen Sie Kriterien, Feedback und Bewertung mit der Lernaktivität, damit die Schüler/innen wissen, a) welche Zielsetzungen es gibt, b) wie ihre Fortschritte einzuschätzen sind und c) wann sie das Lernziel erreicht haben. Am besten legen Sie das Format (Lerntagebuch, Projektportfolio, Test) zu Beginn eindeutig fest.

Die Befolgung dieser einfachen Prinzipien zur Kursgestaltung wird Ihnen helfen, erfolgreiche Online-Aktivitäten zu entwickeln.

eTwinning-Strategien für Online-Lehren und -Lernen

eTwinning ist im Normalfall auf internationale Projekte beschränkt, aber nun können auch nationale Projekte (von Schulen innerhalb desselben Landes) über dieses Portal abgewickelt werden. Dies ist eine hervorragende Möglichkeit zur Zusammenarbeit mit Schüler/innen insbesondere an Schulen, die nicht über Ressourcen wie ein LMS oder ein Telekonferenz-Tool verfügen.

Najoua Slatnia, eTwinning-Botschafterin und Expertin für Lernveranstaltungen am Lycée de Grombalia in Tunesien, bietet eine Reihe unterhaltsamer Open-Source-Tools an, mit denen Schüler/innen gemeinsam Projekte erstellen können. Hier ist eine kurze Liste: Book Creator, Padlet, Emaze, Kahoot!, Poster Maker, Pixiz, Befunky, Storyjumper, Mentimeter, PBWorks, Canva und Mindmaps. Ich habe nur eine Stunde gebraucht, um dieses nette E-Book über Kursdesign zu entwerfen. Das schaffen Sie auch!

Motivieren Sie Ihre Schüler/innen, die an eTwinning-Projekten arbeiten, mit Videoaufzeichnungstools wie Screencast-o-Matic, Loom, Clipchamp oder Kizoa. Mit Animaker lassen sich schnell animierte Videos erstellen.

Gruppenprojekte unter Verwendung von Protokollen und Tagebucheinträgen sind eine gute Möglichkeit, die Kreativität anzuregen und die Schülerinnen und Schüler zur Reflexion der Ereignisse im Verlauf der Pandemie anzuregen Ermutigen Sie Ihre Schüler/innnen, auf eTwinning Kontakte zu knüpfen, damit sie ihre Zeit zu Hause sinnvoll verbringen können.


Richard Powers

Richard Powers ist ein erfahrener Online-Lehrer, der seit 1998 in Amerika und Europa online unterrichtet. Als Projektmanager an der Professional School of Education – Stuttgart-Ludwigsburg konzipiert er Online-Kurse über Diversität und Digitalisierung für Lehrkräfte in der Ausbildung. Herr Powers arbeitet in zwei Krisenstäben mit, wo er bei den City Colleges of Chicago und an der Universität Stuttgart 3.000 Dozentinnen und Dozenten sowie 25.000 Studierende in den Online-Unterricht einführt.