Mit Kulturerbe zu kritischem Denken und Verstehen

Bild: Monika Kozub / Unsplash.com

Viele Lehrkräfte würden gerne mit ihren Schülerinnen und Schülern ihr kulturelles Erbe thematisieren, doch häufig fehlt es an theoretischem Wissen, was Kultur überhaupt bedeutet und wie sie im Kontext der kindlichen Entwicklung vermittelt werden kann. In diesem Tutorial werden einige Ressourcen und Ansätze vorgestellt, die dem Thema einen Rahmen geben.

Kulturerbe: Anders als man denkt

Geschichts- und Sprachkenntnisse sowie ein Bezug zur Kunst, all das fördert eine Beschäftigung mit dem kulturellen Erbe, doch ein weiterer wichtiger Nutzen ist weniger augenfällig: Die Fähigkeit zur Reflexion. Schülerinnen und Schüler sollten lernen, nicht nur als „verwirrte Reisende auf der fieberhaften Suche nach möglichst vielen Selfies“ mit der Welt zu interagieren, sondern ihre Umwelt als Bürgerinnen und Bürger aktiv mitzugestalten.. Durch die kritische Beschäftigung mit eigenem und fremdem Kulturgut können die Kinder lernen, in einer Gesellschaft zu leben, die ihnen keine einfachen Antworten bietet: In einer unüberschaubaren Flut aus Informationen mit teils widersprüchlichen Quellen, in der es schwierig ist, eine eigene Identität zu entwickeln und zu formulieren.

Kulturerbe ist nicht nur im Kunst- und Geschichtsunterricht relevant: Die Entdeckung der Röntgenstrahlen hat für die Biologie Bedeutung, der Börsencrash im Jahr 1929 ist wichtig zum Verständnis wirtschaftlicher Zusammenhänge.

Kulturerbe manifestiert sich in vielerlei Form:

  • materiell – zum Beispiel Gebäude, Monumente, Gegenstände, Kleidung, Bücher, Kunstwerke, Maschinen, historische Städte, Ausgrabungsstätten;
  • immateriell – zum Beispiel Sprache und mündliche Überlieferungen, Sport und Spiel, darstellende Kunst, soziale Gepflogenheiten und traditionelle Handwerkskunst;
  • natürlich – Landschaften, Flora und Fauna;
  • digital – Ressourcen, die in digitaler Form erstellt wurden (wie digitale Kunstwerke und Animationen) bzw. zur Erhaltung digitalisiert wurden.

Aus diesem Grund hat auch der Begriff Kulturbewusstsein und kulturelle Ausdrucksfähigkeit, eine der acht Schlüsselkompetenzen für lebenslanges Lernen, eine ähnlich weit gefasste Definition.

Wie lässt sich das alles auf den Unterrichtskontext übertragen? Wenn Sie dazu mehr wissen möchten, schauen Sie sich die folgenden Ressourcen an, von denen viele im Europäischen Kulturerbejahr 2018 entstanden sind.

Kulturerbe durch Museumsbesuche

In den vergangenen Jahrzehnten haben sich Museen von „Forschungsbibliotheken“ für Gelehrte zu öffentlichen Begegnungszentren für intellektuelles Wachstum gewandelt. Dieser letzte Aspekt ist besonders für junge Besucher wichtig, denn ein Museumsbesuch wird schnell zum „Aha-Erlebnis, das hilft, ungeordnetes Wissen zu verknüpfen. So bietet zum Beispiel das Tropenmuseum in Amsterdam Programme, bei denen Kinder mit dem Bus durch Marokko fahren, durch Bombay reisen oder zu persischer Musik tanzen und Tee trinken können:

Im Rijksmuseum Amsterdam können die Kinder sich in einem Computerspiel verschiedenen Persönlichkeiten aus dem 17. Jahrhundert zuordnen und spielen diese in einem Improvisationstheater nach:

Viele Museen bieten mittlerweile auch virtuelle Rundgänge wie in diesem interaktiven 360°-Video des Naturkundemuseums in Berlin, in dem man sich mit VR-Brille oder Mauszeiger bewegen kann.

Viele weitere Ideen und Ressourcen erwarten Sie im MOOC der Teacher Academy Learning in a Museum (Lernen im Museum).

Kulturerbe durch gesellschaftliches Engagement

Schülerinnen und Schüler können auch durch aktives bürgerschaftliches Engagement mit ihrem Kulturerbe in Kontakt gebracht werden. Zwei einschlägige Initiativen sind ASPnet der UNESCO und das Welterbe-Bildungsprogramm. Beide Programme setzen sich für die Vermittlung kulturellen Erbes an Schulen auf der ganzen Welt ein, um so Frieden und Toleranz zu fördern.

Ähnliche Ziele verfolgt auch das mehrfach ausgezeichnete Programm Apprendisti Ciceroni in Italien. Es ermöglicht Schülerinnen und Schülern, selbst als Reiseführer für Sehenswürdigkeiten ihrer Region aktiv zu werden, Publikum zu empfangen und von dem Projekt zu berichten.

Auch Großveranstaltung wie das Weltkulturerbe-Jugendsymposium spielen eine wichtige Rolle, denn sie ermöglichen eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Schülerinnen und Schüler und geben ihnen eine Stimme.

Kulturerbe durch Fort- und Weiterbildung

Lehrkräfte dürfen die Bedeutung des kulturellen Erbes für Schüler und andere gesellschaftliche Gruppen nicht ignorieren. Um das Thema auch in den Unterricht zu integrieren, existieren bereits einige Tools. Europeana, Europas digitale Plattform für kulturelles und wissenschaftliches Erbe, bietet über 50 Millionen Inhalte in 27 Sprachen sowie entsprechende Unterrichtsmaterialien zu ihrer Verwendung.

EuroClio, der europäische Geschichtslehrerverband, möchte das Bildungswesen reformieren durch internationale Netzwerke und die Bereitstellung von Ressourcen mit den Schwerpunkten kritisches Denken, gegenseitiger Respekt und Behandlung kontroverser Themen.

Beide Vereinigungen haben gemeinsam das Historiana-Projekt ins Leben gerufen, das mit dem Lifelong Learning Award 2017 ausgezeichnet wurde und Lehrkräften im Fach Geschichte zusätzliche und vergleichende Quellen bietet, die neben nationalen Lehrwerken eingesetzt werden können.

Weitere Resourcen:

https://www.schooleducationgateway.eu/de/pub/latest/practices/cultural-footprints.htm

https://academy.schooleducationgateway.eu/de/web/cultural-diversity-in-your-classroom-rerun/home

https://www.schooleducationgateway.eu/de/pub/latest/news/new_handbook_on_fostering_cult.htm

https://www.schooleducationgateway.eu/de/pub/viewpoints/surveys/poll_on_cultural_awareness_and.htm

https://www.schooleducationgateway.eu/de/pub/viewpoints/surveys/poll-on-arts-for-learning.htm

https://www.etwinning.net/eun-files/eTwinning%20book_DE.pdf

https://europa.eu/learning-corner/learning-materials_de