Einstieg in Blended Learning: Wie und wo man es praktisch verwendet

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Blended Learning bedeutet wörtlich „gemischtes Lernen“ und wird auf Deutsch oft auch „hybrides Lernen“ genannt. Es ist kein neuer Ansatz in der Schulbildung, doch im Zuge der Corona-Pandemie rückte es zunehmend ins Rampenlicht und wurde angesichts der Schließung der Schulen eingeführt, um die Lernkontinuität und die Verbindung zu den Schülern sowie deren Motivation aufrechtzuerhalten. In diesem Artikel geben wir eine kurze Einführung ins Thema, die Lehrer dazu ermutigen soll, den Ansatz auch mit ihren Schülern einzusetzen.

Was ist Blended Learning?

Laut der Europäischen Kommission ist Blended Learning ein Lehr- und Lernprozess, der verschiedene Faktoren integriert:

  • Lernumgebungen (Zuhause, Schule, andere Orte);
  • Kompetenzentwicklungsprozess (lebenslanges Lernen und berufliche Bildung);
  • Emotionen (Motivation, Zufriedenheit, Entmutigung, Frustration); und
  • Menschen (Lernende, Lehrkräfte, Eltern, weiteres Personal).

Wie Michael Hallissy in diesem Video erläutert, kann man hybrides Lernen mit einem Cocktail vergleichen, bei dem die Lehrkräfte die verschiedenen Zutaten unterschiedlich kombinieren können, um eine andere Mischung zu erhalten.

Wie funktioniert Blended Learning in der Praxis?

Als erstes gilt es, die Zielgruppe zu verstehen. Die Lehrkräfte müssen einschätzen, welche Lernfähigkeit, technische Kompetenzen und Bereitschaft für Blended Learning mit teils eigenständigem Lernen bei ihren Schülern vorliegen und über welche technische Ausstattung sie zuhause verfügen, da all diese Faktoren beim Distanzlernen relevant sind.

Genauso wichtig ist es, sicherzustellen, dass beim Distanzlernen das in der Schule Erlernte miteinbezogen und vertieft wird, und umgekehrt.. Der Sinn von hybridem Lernen ist nicht, mehr Hausaufgaben zu geben oder eine Online-Datenbank mit Materialien zu erstellen. Das Lernen in den beiden Umgebungen sollte integriert, sich ergänzend und überschneidend sein, und die Lernenden sollten Zeit, Ort und Lerntempo bestimmen können (Maxwell, 2016; Staker & Horn, 2012).

Welches Modell ist das richtige?

Sehen wir uns verschiedene Modelle für Blended Learning an, damit Sie ihre eigene Mischung aus Präsenz- und Distanzlernen finden.

Eines der bekanntesten und einfachsten Modelle für Blended Learning ist der sogenannte Flipped Classroom oder auf Deutsch „umgekehrter Unterricht“. Hierbei lernen die Schüler zuhause mit Online-Aktivitäten und -Vorlesungen, sodass die Lehrkräfte die Unterrichtszeit für Übungen oder Projekte nutzen können. Dieses Modell bietet besonders weitreichende Möglichkeiten für individuelles Lernen, birgt jedoch auch einige Herausforderungen. Dieses Video gibt einige Tipps, um mögliche Hindernisse beim umgekehrten Unterricht als Lehrer zu überwinden, sowie Empfehlungen für eine erfolgreiche Umsetzung.

Beim Rotations-Modell rotieren die Schüler individuell zwischen verschiedenen Lernstationen und -angeboten, wie unten abgebildet. Mehr praktische Informationen hierzu finden Sie in diesem Artikel.

Individual Rotation

Image: www.all-languages.org.uk

Beim Flex-Modell werden Inhalte wie beim Flipped Classroom hauptsächlich online vermittelt, während eine Lehrkraft vor Ort “Unterstützung nach Bedarf durch Aktivitäten in Gruppenprojekten, Kleingruppen- und Einzelunterricht” anbietet (Watson et. al., 2014). Das Schaubild unten zeigt ein Beispiel für das Flex-Modell.

Flex Model

Image: www.blog.commlabindia.com

Ein weiteres interessantes Format ist ein eigener Blend, also eine eigene Mischung. Hierbei ergänzen die Schüler ihren klassischen Schulunterricht um zusätzliche Onlinekurse, die sie selbst ausgewählt haben oder die von ihrer Lehrkraft empfohlen wurden, passend zu ihren Interessen und Bedürfnissen.

Für einen erneuten Überblick können Sie sich dieses Video ansehen, in dem die Modelle und ihre jeweiligen Vorteile vorgestellt werden. Aber denken Sie daran: Das sind nur einige mögliche Blends, die Kombinationsmöglichkeiten sind grenzenlos!

Wie das Lernen funktioniert

Sobald man sich für ein Modell entschieden hat, muss man überlegen, wie das Lernen abläuft. Im folgenden Video präsentiert Diana Laurillard die sechs Lerntypen entsprechend des ABC Conversational Framework.

Auf Grundlage dieser Lerntypen sollte man sich als Lehrkraft fragen, welches die Lernziele sind und mit welchen Aktivitäten sie sich erreichen lassen. Zudem gilt es, zu entscheiden, ob diese Aktivitäten in einer synchronen oder asynchronen Lernumgebung stattfinden sollen.

Wir hoffen, dass Sie nun das Konzept des Blended Learning besser verstehen und bereit sind, von der Theorie zur Praxis überzugehen. Und falls es noch Zweifel gibt, werden Sie einfach kreativ!

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