Den frühzeitigen Schulabgang auf schulischer und lokaler Ebene verstehen und bewältigen

Der frühzeitige Schulabgang ist ein komplexes, dynamisches und facettenreiches Phänomen, das auf eine Kombination aus persönlichen, sozialen, wirtschaftlichen, bildungsbezogenen und familiären Faktoren zurückzuführen ist und sehr oft mit sozioökonomischer Benachteiligung zusammenhängt. Nur selten handelt es sich bei einem Schulabgang um eine spontane Entscheidung, sondern er ist in der Regel das – sichtbare – Ergebnis eines langen Prozesses, der von Lernversagen und einer zunehmenden Distanzierung von Bildungsangeboten geprägt ist.

Junge Menschen gehen aus unterschiedlichen und sehr individuellen Gründen frühzeitig von der Schule ab. Einige brechen wegen persönlicher oder familiärer Probleme ab, andere weil sie gesundheitliche oder emotionale Schwierigkeiten haben; manche jungen Menschen sind mit ihrer Schulsituation unzufrieden – beispielsweise entsprechen die Bildungsinhalte und die Lehrmethoden nicht ihrem Bedarf, sie haben schlechte Beziehungen zu Lehrern oder Mitschülern, können Opfer von Mobbing sein oder leiden unter einem schlechten Schulklima. Dennoch scheint der frühzeitige Schulabgang bestimmten Mustern zu folgen, und es wird angenommen, dass bestimmte junge Menschen stärker bedroht sind als andere. Überdurchschnittlich häufig stammen frühzeitige Schulabgänger aus einem sozial benachteiligten Umfeld (z. B. aus Erwerbslosenhaushalten, Familien mit niedrigem Bildungsstand, Familien mit allein erziehenden Elternteilen oder Haushalten in angespannter Situation), gehören zu einer schutzbedürftigen Gruppe (zum Beispiel Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf oder minderjährige Mütter), gehören einer Minderheit an oder haben einen Migrationshintergrund. In der Regel sind Jungen stärker betroffen als Mädchen.

Aufgrund seiner Komplexität muss der frühzeitige Schulabgang von der Schule und allen anderen betroffenen Akteuren gemeinsam angegangen und bewältigt werden. Ein „ganzheitlicher Schulansatz“ ist erforderlich, um den Anteil der frühzeitigen Schulabgänger zu reduzieren und den schulischen Erfolg aller Lernenden zu fördern. Alle schulischen Akteure (Schulleiter, Lehrkräfte und andere Schulmitarbeiter, Lernende, Eltern und Familien) sowie die externen pädagogischen und anderen Akteure spielen eine entscheidende Rolle bei der Bewältigung von Bildungsbenachteiligung und der Vermeidung von Schulabbrüchen. Alle Akteure sind in der Verantwortung, mit abgestimmten, gemeinsamen und kooperativen Maßnahmen auf einer multidisziplinären, differenzierten Grundlage aktiv zu werden. Dies ist eine „ökologische“ Art und Weise, Schule als multidimensionales und interaktives System zu betrachten, das lern- und wandlungsfähig ist. Alle Dimensionen des schulischen Lebens sollten in kohärenter Weise angegangen werden, um den Wandel zu fördern. Das bedeutet auch, dass den Bedürfnissen aller (der Lernenden, des Personals und des erweiterten Umfelds) beim Lehren, Lernen und im Schulalltag Rechnung getragen wird.