ELTERNRÄUME IN SCHULEN

Wie auch in einigen anderen Ländern stellen Schulen in Frankreich im Allgemeinen spezielle Elternräume zur Verfügung. So können Eltern andere Eltern treffen, an Lernaktivitäten teilnehmen, ihr Schulverständnis verbessern und ihre Beziehungen zum Schulpersonal ausbauen.

Mit dem Gesetz vom 8. Juli 2013 (Loi d’orientation et de programmation pour la refondation de l’école de la République du 8 juillet 2013) wurde eine Rechtsgrundlage für die Einrichtung eines speziell für Eltern vorgesehenen Raums (Espace parents) in allen Schulen geschaffen.

Im Folgenden werden zwei Beispiele von Schulen angeführt, die einen solchen speziellen Elternraum bereitstellen: Das erste Beispiel ist die Grundschule „Les Géraniums“ in Lyon, die seit rund 15 Jahren über einen „Empfangsraum für Eltern“ (Lieu Accueil Parents, LAP) verfügt. Bei diesem LAP handelt es sich um einen physischen Raum, der den Eltern während der Schulzeiten offen steht. Er soll vor allem dazu beitragen,

  • die Beziehungen zwischen den Eltern und Lehrkräften zu verbessern;
  • negative gegenseitige Wahrnehmungen zu ändern und
  • die Zusammenarbeit mit den Eltern und ihre Beteiligung an verschiedenen Schulaktivitäten zu fördern.

Acht Stunden pro Woche steht im LAP ein Sozialarbeiter zur Verfügung, der regelmäßig Aktivitäten für die Eltern anbietet, wie etwa Treffen zu bestimmten Themen, um sie über die Funktionsweise des französischen Bildungssystems zu informieren, andere Lehrkräfte zu treffen und sich mit kommunalen Sozial- und Gesundheitsdiensten über die Schulbildung ihrer Kinder auszutauschen. Die Eltern erhalten auch Unterstützung vom Schulpersonal (Schulleitung, Lehrkräfte).

Die Eltern können den LAP jederzeit besuchen. Der Raum wird von den Eltern selbst auch als Treffpunkt für Diskussionen, zum Austausch von Erfahrungen über ihre Rolle als Eltern eines Schulkindes und zur gegenseitigen Unterstützung genutzt. Für Eltern, die mit Kleinkindern kommen, steht eine Spielecke zur Verfügung. Bücher, Informationen über Schulregeln und Schulaktivitäten sowie über kulturelle, soziale, Sport- und Freizeitaktivitäten in der Region sind in diesem Raum ebenfalls verfügbar. Mithilfe des Sozialarbeiters wird der Raum genutzt, um Gespräche über schulische Themen (z. B. über den Schulbetrieb) oder Treffen mit externen Spezialisten (z. B. Mitgliedern des Hilfslehrkräfte-Netzwerkes für Schülerinnen und Schüler mit Lernschwierigkeiten, Sozialarbeitern oder medizinischem Personal) zu organisieren. Darüber hinaus wurde eine Reihe von Maßnahmen entwickelt, im Rahmen derer sich die Eltern stärker am Schulleben beteiligen können, wie beispielsweise Backworkshops, um Kuchen zu backen, die zur Finanzierung von Schulaktivitäten verkauft werden, die Herstellung von Taschen für Schülerinnen und Schüler, die Bücher aus der Schulbibliothek ausleihen möchten (was auch Bewusstsein dafür schafft, wie wichtig Lesen ist) und ein Puppentheater, das die Eltern organisieren und für die Schülerinnen und Schüler aufführen.

Am Collège Schoelcher, ebenfalls in Lyon, wurde ein „Espace Accueil Parents“ eingerichtet. Der Raum steht den Eltern der Kinder offen, die entweder das Collège oder eine der fünf Grundschulen in der Nachbarschaft besuchen. Der Sozialarbeiter dort ist derselbe Sozialarbeiter, der auch für den LAP in der Grundschule „Les Géraniums“ zuständig ist. Dies macht es den Eltern leichter, den Raum zu nutzen, da sie es bereits gewohnt sind, einen ähnlichen Ort in der Grundschule zu besuchen.
Die Ziele des Elternraums bestehen darin, die Integration von Familien zu fördern, Aktivitäten für die Verbesserung der Kenntnisse über das Collège und seiner Funktionsweise durchzuführen, die Schülerberatung zu unterstützen sowie die Werte der Republik und den Bürgersinn zu fördern. Im Elternraum werden verschiedene Aktivitäten angeboten. Hierzu zählen:

  1. Sprachkurse für Erwachsene (Französisch als Zweitsprache) für Gruppen, die aus absoluten Anfängern bis hin zu Fortgeschrittenen auf dem Niveau der Hochschulvorbereitung bestehen. Diese Kurse machen es den Eltern möglich,
  • ihr Französisch zu verbessern (Verstehen, Sprechen, Lesen und Schreiben), damit sie die Schulunterlagen ihrer Kinder besser verstehen und an Gesprächen mit Lehrkräften teilnehmen können;
  • mehr über den Schulbetrieb und die Erwartungen der Schule zu erfahren sowie die Zusammenarbeit mit den Lehrkräften zu verbessern;
  • die Funktionsweise des Schulsystems zu verstehen, um der Schulbildung ihrer Kinder folgen zu können;
  • über die Grundsätze und Werte der Republik sowie deren Anwendung in der französischen Gesellschaft zu lernen.

Die Maßnahme weist u. a. die folgenden Merkmale auf:

  • 5 Gruppen aus 12-15 Personen, die durch Aushilfspersonal mit einem Abschluss in Französisch als Fremdsprache oder durch Sekundarschullehrkräfte beaufsichtigt werden;
  • Lehrplan bestehend aus 120 Stunden für ein Schuljahr (die Mindestdauer beträgt 60 Stunden), wobei eine erneute Anmeldung im darauf folgenden Jahr bis zu maximal drei Mal möglich ist;
  • mögliche Vorbereitung auf die Sprachzertifikate DILF (Diplôme Initial de Langue Française) und DELF A1 (Diplôme d‘Études en Langue Française); für die Zertifikate werden jedoch keine Fördermittel bereitgestellt;
  • Die Teilnahme ist kostenlos.
  1. Aktivitäten in Bezug auf Gesundheitsthemen:
  • ein Kurs unter der Leitung eines Diät- und Ernährungsberaters mit einem Kochworkshop;
  • ein „Fitness für Mütter“-Workshop;
  • ein „Erste Hilfe“-Workshop.
  1. Ein Workshop zum Thema „Bürgerschaft“: In diesem Workshop wird mit den Eltern an der Veröffentlichung einer Zeitung gearbeitet, die sich mit Bürgerschaftsthemen befasst – z. B. die Nutzung von Mobiltelefonen am Collège, die Entwicklung des Stadtteils, die Qualität des Unterrichts und die Schülererfolge nach dem Collège sowie ihr Verlauf nach dem Verlassen des Collège oder der Schule.
Art
Praxis
Land
Frankreich
Sprache
BG; CZ; DA; DE; EL; EN; ES; ET; FI; FR; HR; HU; IT; LT; LV; MT; NL; PL; PT; RO; SK; SL; SV
Schulebene
Primary; Secondary
Interventionsebene
Universell
Intensität der Intervention
Von Zeit zu Zeit stattfindend
Finanzierungsquelle
Lokale Finanzierung; Nationalregierung

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