INCLUD-ED: Dialogisch literarische Treffen

Dialogisch literarische Treffen (Dialogic Literary Gatherings – DLG) gehören zu den erfolgreichen Bildungsmaßnahmen (Successful Educational Actions –SEAs), die im Rahmen des Forschungsprojekts INCLUD-ED identifiziert wurden. DLG werden durchgeführt, um die Bildung von Kindern und Jugendlichen in verschiedenen Kontexten auf der ganzen Welt zu verbessern. Bei DLG handelt es sich um eine dialogische Leseaktivität, die auf zwei Grundsätzen basiert: dem Lesen eines klassischen Literaturbuches (z. B. Romeo und Julia, Odyssee oder Don Quijote) und dem anschließenden Austausch über Bedeutungen, Interpretationen und Überlegungen mit der dialogischen Lernmethodik. Die Aktivität kann Kinder und deren Familienangehörige einbeziehen. Dieses Beispiel soll ein Verständnis für DLG und die Ergebnisse ihrer Anwendung vermitteln.

Dialogisch literarische Treffen (Dialogic Literary Gatherings – DLG) gehören zu den erfolgreichen Bildungsmaßnahmen (Successful Educational Actions – SEAs), die im Rahmen des Forschungsprojekts INCLUD-ED – Strategies for inclusion and social cohesion in Europe from education (Strategien für die Integration und den sozialen Zusammenhalt in Europa durch Bildung) (Europäische Kommission, 6. Rahmenprogramm, 2006-2011) identifiziert wurden. Im Rahmen von INCLUD-ED wurden nicht nur Bildungsstrategien analysiert, die zur Überwindung von Ungleichheiten beitragen und den sozialen Zusammenhalt fördern, sondern auch solche, die zu sozialer Ausgrenzung führen, mit einem besonderen Fokus auf schutzbedürftigen und marginalisierten Gruppen. Die SEAs für die Förderung der Bildung von Risikoschülerinnen und -schülern verfügen über universelle Komponenten, die sich in sehr unterschiedlichen Kontexten als übertragbar erwiesen und zu Bildungserfolgen geführt haben. DLG werden zur Anwendung gebracht, um die Bildung von Kindern und Jugendlichen in verschiedenen Kontexten weltweit zu verbessern.

Wie wichtig das Lesen in der Gesellschaft ist, versteht sich von selbst. Da das Lesen eine Grundfertigkeit für das weitere Lernen darstellt, werden Schülerinnen und Schüler, die damit zu kämpfen haben, unweigerlich ernsthafte Probleme in anderen Disziplinen haben. Umgekehrt erleichtern gute Lesefähigkeiten den Zugang zu anderen Bereichen des Lehrplans und verringern ganz allgemein das Risiko von Klassenwiederholungen und Schulabbrüchen. Mit anderen Worten, Leseschwierigkeiten korrelieren mit einem höheren Grad an unterdurchschnittlichen Leistungen, Segregation, Schulabbruch und Bildungsungleichheiten. Dies betrifft besonders unterschiedliche Minderheiten, wie z. B. Immigranten oder Roma-Schüler, die sehr häufig in formalen und informellen Verfahren, in unterschiedlichen Schulkontexten und auch innerhalb der Schule, in der sie bereits angemeldet sind, ausgegrenzt werden.

Entsprechend den Erkenntnissen der Lernwissenschaften, insbesondere im Bereich des Lesens, erhöhen DLG die Quantität und Qualität der Interaktionen aller Schülerinnen und Schüler durch einen dialogischen Lernansatz. Die Theorie des dialogischen Lernens besagt, dass Lernende ein tiefes Verständnis für ein Fach erlangen, wenn sie sich durch Dialoge, die egalitär sind, die kulturelle Intelligenz eines jeden Einzelnen anerkennen und darauf aufbauen, an Prozessen persönlicher und sozialer Transformation beteiligen. Dialogisches Lernen hat Transformation zum Ziel, stärkt die instrumentelle Dimension des Dialogs, basiert auf Solidarität, fungiert als eine Quelle der Sinnschöpfung und fördert die Gleichwertigkeit unterschiedlicher Hintergründe.

DLG können als eigenständige Maßnahmen in Anwendung gebracht werden, sie werden in Schulen aber auch als „Lerngemeinschaften“ umgesetzt, zusammen mit anderen SEAs wie z. B. interaktiven Gruppen und Familienbildung. „Lerngemeinschaften“ sind ein Projekt, das auf der Intervention einer gesamten Schule durch SEAs basiert, um einen Schulabbruch zu verhindern sowie die Schulleistungen und den sozialen Zusammenhalt zu verbessern. Die in diesen Schulen erzielten Verbesserungen haben die Europäische Kommission und den Europarat veranlasst, Schulen als „Lerngemeinschaften“ als einen der Ansätze zur Verringerung des Schulabbruchs und zur Verbesserung von Lernergebnissen zu empfehlen.

Dank der SEAs, die auf zwei internationalen Konferenzen im Europäischen Parlament in Brüssel vorgestellt wurden, konnten Tausende Kinder in ganz Europa ihre Leistungen verbessern und so ihre Chancen auf eine erfolgreiche Fortsetzung ihrer schulischen Laufbahn erhöhen. Die sozialen und politischen Auswirkungen dieses Projekts waren der Grund, weshalb die Europäische Kommission dieses Projekt in die Liste der Top-10-Forschungsprojekte mit der größten Wirkung in Europa aufgenommen hat; INCLUD-ED ist das einzige sozial-, wirtschafts- und geisteswissenschaftliche Projekt, das für die Liste ausgewählt wurde.

Art
Praxis
Land
Albanien; Belgien; Bulgarien; Deutschland; Dänemark; Estland; Finnland; Frankreich; Griechenland; Irland; Island; Italien; Kroatien; Lettland; Litauen; Luxemburg; Malta; Niederlande; Nordmazedonien; Norwegen; Polen; Portugal; Rumänien; Schweden; Serbien; Slowakei; Slowenien; Spanien; Tschechische Republik; Türkei; Ungarn; Vereinigtes Königreich; Zypern; Österreich
Sprache
BG; CZ; DA; DE; EL; EN; ES; ET; FI; FR; HR; HU; IT; LT; LV; MT; NL; PL; PT; RO; SK; SL; SV
Schulebene
Pre-school; Primary; Secondary
Interventionsebene
Gezielt; Universell
Intensität der Intervention
Laufend
Finanzierungsquelle
Europäische Finanzhilfen