Was können Lehrkräfte für Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf tun – und was kann Europa für die Lehrkräfte tun?

Image: Monkey Business Images / Shutterstock.com

Wenn wir über sonderpädagogischen Förderbedarf (SPF) sprechen, kann sich das auf zahlreiche Dinge beziehen: multiple Sklerose oder Taubheit, bipolare Störungen oder Legasthenie sowie Umgang mit Emotionen oder sozialen Beziehungen. Alle diese Fälle bringen eigene Herausforderungen beim Lernen mit sich, können aber von einer einzigen Lehrkraft gehandhabt werden. Welche bewährten Methoden kann Europa empfehlen?

Bei Verhaltensproblemen

Einige SPF-Schulen waren beunruhigt, weil ihre Schüler oft in der höheren Bildung scheiterten oder die Schule abbrachen. Sie führten dies auf den Mangel an interpersonellen und intrapersonellen Fähigkeiten der Schüler zurück, zum Beispiel auf ihre niedrige Kompetenz bezüglich Aggressionsbewältigung, Teamarbeit und Selbstmanagement. Dies war der Anstoß für das Projekt Creating Peace (Frieden schaffen).

Der thematische Hintergrund des Projekts war der Dreißigjährige Krieg, der Auswirkungen auf das Europa des 17. Jahrhunderts hatte, aber schließlich im Frieden endete. Im ersten Jahr des Projekts suchten die Schüler in ihrer nationalen Geschichte nach ähnlichen Konfliktlösungen und praktizierten kritisches Lesen und Denken.

Im zweiten Jahr experimentierten die Partnerschulen mit therapeutischen Spielen und Aktivitäten, um die soziale Kompetenz ihrer Schüler zu fördern. Zum Beispiel spielten die Schüler ein Spiel, bei dem sie Wege finden mussten, wie die ganze Gruppe in ein „Schiff“ passt, das durch einen immer kleiner werdenden Seilkreis dargestellt wurde. Außerdem machten sie einen soziometrischen Test, bei dem sie Sätze wie „Im Bus möchte ich neben ... sitzen“ und „Ich möchte nicht im selben Team sein wie ...“ vervollständigen sollten. Alle Informationen darüber finden Sie in diesem umfassenden Portfolio. Die Schüler falteten auch einen Origami-Kran, ein Symbol des Friedens für jeden Konflikt, den sie im Laufe des Projekts überwanden.

Creating Peace-Projekt

Creating Peace war eine strategische Erasmus+ Partnerschaft zwischen sechs Ländern: Tschechien, Frankreich, Deutschland, Norwegen, Polen und Schweden. Es lief von 2014 bis 2016 und wurde als Erfolgsgeschichte und gutes Praxisbeispiel gewürdigt.

Bei Schulphobie

Schulphobie wird nicht systematisch erfasst, sodass ihre Verbreitung schwer einzuschätzen ist, aber die Schüler, die darunter leiden, sind naturgemäß in ihrem Lernprozess im Rahmen des formalen Bildungssystems gehemmt. Schlangenfuß will Kindern helfen, die lange Fehlzeiten aufweisen (manchmal ein Jahr zu Hause bleiben) und nicht in der Lage wären, einen regulären Schulabschluss zu machen.

Schlangenfuß-Projekt

Das Projekt hat zwei zentrale Ziele: den Schülern helfen, sich wieder in die Gesellschaft zu integrieren und reguläre Qualifikationen zu erreichen. Um eine Stigmatisierung zu vermeiden, werden sie nach einem modernen Lehrplan unterrichtet und erhalten ein neutrales Zeugnis (ohne Erwähnung von Schlangenfuß). Der Erfolg des Projekts ist auf seine kleinen Gruppengrößen, seine handverlesenen pädagogischen Methoden (wie Konstruktivismus, projektorientiertes Lernen und Erlebnispädagogik) und die professionelle Unterstützung zurückzuführen, die den Schülern angeboten wird, wobei die Lehrkräfte sie sogar zu Hause abholen. Das Programm weist eine signifikante Abschlussquote von 76 % auf.

Schlangenfuß ist älter als ein Jahrzehnt, konzentriert sich jedoch seit 2007 auf die Schulphobie. Das Programm gibt es nur in Österreich und es wird staatlich finanziert.

Zur Einbeziehung der Eltern

Wenn sich der gesellschaftliche Diskurs und die Politik mit geistiger Behinderung befassen, neigen sie dazu, sich auf die Schüler oder ihre Lehrkräfte zu konzentrieren. Eltern von Menschen mit geistiger Behinderung werden oft übersehen. Das Projekt ELPIDA zielt darauf ab, diesen Umstand zu beheben, indem es den Eltern die Fähigkeiten und das Wissen vermittelt, die sie benötigen, um ihre Kinder besser zu unterstützen.

Zunächst wurde eine Studie zur Bedarfseinschätzung durchgeführt, die eine Literaturrecherche und über 150 Fragebögen umfasste. Bei dieser Studie wurden die Prioritäten der Eltern ermittelt und sie bildete die Grundlage für das wichtigste Arbeitsergebnis des Projekts: den ELPIDA-E-Learning-Kurs. Der Kurs beinhaltet Module über Menschenrechte, Kommunikation, Stressbewältigung, Erwachsenwerden, sexuelle Gesundheit und Älterwerden, ist kostenlos und in sechs Sprachen verfügbar. Das Lernangebot wurde bereits in mehreren Ländern an Eltern weitergegeben in der Hoffnung, dass es zum Wohlergehen von Menschen mit geistiger Behinderung beiträgt.

Alle Projektergebnisse werden auf der ELPIDA-Multiplikator-Veranstaltung vorgestellt, die im Juni 2019 in Brüssel stattfindet.

ELPIDA ist ein Erasmus+ Projekt in fünf Ländern: Dänemark, Deutschland, Griechenland, Norwegen und Portugal. Es begann 2017 und soll 2019 enden.

Aktuelle und frühere von der EU finanzierte Projekte zur schulischen Bildung finden Sie auf der Erasmus+-Plattform mit Projektergebnissen.