Berufliche Weiterbildung für junge Lehrkräfte: Nicht ausbrennen, sondern glänzen!

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Kaum ein Beruf ist wichtiger für die Zukunft unserer Gesellschaft als der Lehrberuf. Trotzdem sind grade junge Lehrkräfte aufgrund von Arbeitsüberlastung und Problemen mit Schülern besonders häufig von frühzeitiger Dienstunfähigkeit betroffen. Im Folgenden werden einige Wege vorgestellt, wie junge Lehrkräfte sich einen Unterstützerkreis aufbauen, das Wissen ihrer Kollegen effektiv nutzen und eigene Unterrichtsmethoden, Materialien und Stundenentwürfe erarbeiten können.

Mentoring in der Peer-Group

Vielen ist das Prinzip des traditionellen Mentorings ein Begriff. Dabei steht eine erfahrene Lehrkraft einem jungen Kollegen bzw. Referendar unterstützend zur Seite. Aber haben Sie es schon einmal mit verme probiert? Das ist die finnische Abkürzung für Peer-Group-Mentoring, das in Finnland zur Unterstützung von neuen Lehrkräften angewandt wird.

Bei diesem Mentoring-Ansatz treffen sich Lehrkräfte verschiedener benachbarter Schulen regelmäßig etwa einmal im Monat. Jede Gruppe umfasst 5-10 Personen, setzt sich aus Profis und Neueinsteigern zusammen und wird von einem ausgebildeten Mentor geleitet (der als einziger an allen Treffen teilnehmen muss und dafür bezahlt wird). Bei diesen Treffen können sich die Lehrkräfte über ihre Erfahrungen austauschen und von ihren täglichen Probleme und Herausforderungen berichten.

Das Modell hat wesentlich zum Erfolg des finnischen Bildungssystems beigetragen. Bei einer wissenschaftlichen Studie zu Peer-Group-Mentoring haben fast alle befragten Teilnehmer erklärt, das Angebot sei besonders wichtig für Pädagogen – nicht nur für Neueinsteiger, sondern auch für erfahrene Lehrkräfte.

Der Ansatz wurde bereits 2008-2010 in einem Pilotprojekt erprobt und wird gefördert und verbreitet von Osaava Verme, dem staatlich finanzierten Netzwerk zur Förderung von Berufseinsteigern im Lehrberuf in Finnland.

Resilienz durch Selbstreflektion

Wenn Lehrkräfte trotz Druck, täglicher Anforderungen und Schwierigkeiten eine positive Einstellung behalten, spricht man von Resilienz. Das Projekt ENTREE (Enhancing Teacher Resilience in Europe) hat es sich zum Ziel gesetzt, diese Einstellung bei Lehrkräften zu fördern, um im Schulalltag zu bestehen, der sich grade heute rasch wandelt.

Zu Beginn können Lehrkräfte mit Hilfe eines Selbsteinschätzungs-Tools ihre eigene Lern-Laufbahn bestimmen. Im Folgenden wird ihneneins von sechs Online-Modulen vorgeschlagen, das am meisten ihrem Profil entspricht: Resilienz, Beziehungsaufbau, emotionales Wohlbefinden, Umgang mit Stress, effektives Unterrichten und Unterrichtsführung.

Neueinsteiger in den Lehrberuf können auch von Handbüchern und Materialien in den Präsenzseminaren profitieren. Alle Einheiten setzen auf Zusammenarbeit und Reflexion, um die Bildung von Lehrer-Communitys zu fördern.

ENTREE wurde im Jahr 2014 mit Fördergeldern aus dem Lifelong Learning Programme der Europäischen Kommission und mit der Unterstützung von Experten aus 5 europäischen Ländern gegründet: Tschechien, Deutschland, Irland, Malta und Portugal.

Systematische Evaluierung auf Grundlage eines forschungsbasierten Ansatzes

Seit 2014 entwickelt die Fern Federation in Wales einen bekannten strategischen Entwicklungsplan, der auf dem Prinzip des forschungsbasierten Lernens gründet.

Die teilnehmenden Schulen führten vier neue Strukturen ein:

  1. Gemeinschaftliches Leiten, bei dem Lehrkräfte schon früh im Berufsleben Führungsaufgaben übernehmen,
  2. 14-tägige Lehr- und Lernworkshops,
  3. Co-Coaching-Einheiten, in denen erfahrene und auszubildende Berater pädagogische Hilfe anbieten und
  4. ein Mentoring-Programm.

Die Lehrkräfte ermitteln, in welchen Bereichen ihrer Lehrtätigkeit noch Verbesserungspotential besteht, zum Beispiel bei der Beurteilung des Lernerfolgs oder der Einbeziehung von Schülern, und suchen nach relevanter Literatur. In Workshops können sie sich anschließend über ihre Erkenntnisse austauschen und gemeinsam überlegen, wie sie sich in die Praxis umsetzen lassen. Nach einer Ausprobier-Phase wird das Ergebnis in ihrer Co-Coaching-Einheit besprochen. Daneben ermöglicht ihnen das Konzept des gemeinschaftlichen Leitens, stärker selbst Initiative zu ergreifen, zum Beispiel durch eigene Forschungsprojekte, während das Mentoring-Programm ihnen hilft, immer wieder neue und frische Methoden anzuwenden.

Die Schulen investierten auch in Videokameras, Klassenzimmer mit Einwegspiegeln und andere Materialien, mit deren Hilfe Lehrkräfte den eigenen Unterricht evaluieren können.

Die Fern Federation besteht aus zwei Grundschulen, Craig Yr Hesg and Cefn, mit insgesamt etwa 400 Schülern.

 Weitere laufende und abgeschlossene von der EU geförderte Projekte in der schulischen Bildung finden Sie auf der Erasmus+-Projektergebnisplattform.