Sollte man Schüler in einer Gruppe oder einzeln unterrichten? Drei neue Projekte unterstützen beide Optionen

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In einem berühmten Gleichnis von Amos E. Dolbear – oft fälschlicherweise Einstein zugeschrieben – wurde eine Schule für Tiere eingerichtet. Für den Abschluss mussten die Tiere symmetrisch entwickelt sein und auf einem bestimmten Niveau klettern, schwimmen, laufen und fliegen können. Die Folgen waren absehbar: „Die Ente brauchte so lange, um zu lernen, mit der geforderten Geschwindigkeit zu laufen, dass sie keine Zeit hatte, das Schwimmen in der geforderten Geschwindigkeit zu erlernen“. Lehrkräfte könnten befürchten, dass die Schulbildung die Lernenden wie diese Enten behandelt und die unterschiedlichen Lerntempos ignoriert. Mit diesen neuen Projekten können Sie jedoch personalisierte Lernansätze entdecken!

Personalisiertes Lesen mit iRead

Lesen und Schreiben ist eine Schlüsselkompetenz, die auch in entwickelten Ländern nicht ausreichend vorhanden ist und sich sehr gut für personalisierte Lernprojekte wie iRead eignet. Bei iRead soll Grundschülern und Kindern mit Legasthenie durch eine neue Software geholfen werden, ihre Lesefähigkeiten zu verbessern. Insbesondere wird dabei das Lesenlernen und das Erlernen von Englisch als Fremdsprache gefördert.

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iRead-Projekt

Bei dem Projekt kommen drei Lern-Apps zum Einsatz. Die erste bietet personalisierte und adaptive Lese-/Schreibspiele, die die Fähigkeiten der Schüler durch praktische Übungen und unmittelbares Feedback schulen. Diese Spiele sind autodidaktisch und schulen das Vokabular, die Dekodierung (z. B. Aussprache) und das Verständnis (z. B. Syntax) der Nutzer.

Das zweite Produkt ist eine Reihe interaktiver E-Books (Bilderbücher) mit visuellen Hotspots für die Aussprache und Rechtschreibung eines Wortes und einfachen Lernaktivitäten. Die e-Reader App bietet auch Text-to-Speech-Funktionen für Schüler mit Legasthenie und für Fremdsprachenschüler sowie aufgabenspezifische Strategien für verschiedene Lesezwecke, z. B. „Lesen zur Information“ oder „Lesen zur Textrezension“. Hier finden Sie weitere Informationen über die Methodik.

Bei der Entwicklung dieser Technologien musste iRead eng mit Schulen, Bildungseinrichtungen, Unternehmen, Eltern und Wissenschaftlern zusammenarbeiten. Derzeit werden für das Projekt Schulen für Pilot-Auswertungen gesucht. Weitere Informationen finden Sie in diesem Flyer.

iRead begann 2017 und soll 2020 enden. Es wird aus Mitteln des EU-Programms Horizont 2020 finanziert und umfasst 15 Partner in acht europäischen Ländern.

Personalisierte Lernpfade mit DEPIT

Die Funktionen einer Schule sind komplexer geworden und Lernkonzepte haben Schwierigkeiten, mitzuhalten. Ein Problem ist die Flexibilität: Viele Lehrkräfte erstellen im Voraus Jahrespläne, bei denen die täglichen Veränderungen im Klassenzimmer nicht berücksichtigt werden können. Auch die Arbeitsbelastung kann untragbar werden und häufig bleiben Multimedia-Optionen ungenutzt. DEPIT (Designing for Personalisation and Inclusion with Technologies) setzt bei der Notwendigkeit für mehr Personalisierung und Anpassungsfähigkeit an.

Um die Bedingungen zu verbessern, wird im Rahmen des Projekts eine interaktive Lernmethodik entwickelt, die das Unterrichtsmanagement und die individuellen Bedürfnisse der Lernenden unterstützt. Bei dem Projekt wurde auch eine Anwendung erstellt, die die Konzeption erleichtert: Diese DEPIT-APP ist bereits als Download erhältlich. Die Nutzer können damit Lernpfade laut Lehrplan auf verschiedenen Ebenen entwerfen und umsetzen.

DEPIT-App für personalisiertes Lernen

DEPIT begann 2017 und soll 2020 abgeschlossen werden. Es handelt sich dabei um eine strategische Erasmus+ Partnerschaft, die von einem Konsortium aus Universitäten, Lehrer-/Ausbilderverbänden, Schulnetzwerken und Softwareentwicklungsunternehmen aus vier Ländern geleitet wird: Belgien, Italien, Spanien und Großbritannien.

Personalisiertes und inklusives Lernen mit ALS

Viele Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf besuchen nach wie vor die Regelschulen – unabhängig davon, ob ihre Schwierigkeiten körperlich (z. B. Sehbehinderung), verhaltensbezogen oder anderweitig (z. B. Legasthenie) sind. Es kann für diese Kinder jedoch schwierig sein, dem Tempo und den Inhalten des Unterrichts ohne Anpassungen zu folgen. Deshalb ist es für sie besonders wichtig, ihr Lernverhalten in den frühen Jahren anzugleichen, damit sie in Zukunft leichter Fortschritte machen können.

Vor diesem Hintergrund hat ALS (Adaptive Learning System) ein digitales Lernwerkzeug zur Anpassung und Personalisierung von Lerninhalten während der frühkindlichen Bildungsphase entwickelt. Dieses Tool erstellt Lernprofile basierend auf dem kognitiven Verhalten und der Motivation der Schüler und passt ihre Inhalte entsprechend an.

Zu den Arbeitsergebnissen des Projekts gehören eine Analyse von Lernschwierigkeiten und des Umgangs damit, Leitlinien zur Anpassung von Lerninhalten und ein Dokument zur universellen Lernkonzeption.

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ALS begann 2014 und endete 2017. Es handelt sich um eine strategische Erasmus+ Partnerschaft zwischen Frankreich, Irland und Großbritannien, die als gutes Praxisbeispiel ausgezeichnet wurde.

Aktuelle und frühere von der EU finanzierte Projekte zur schulischen Bildung finden Sie auf der Erasmus+-Plattform mit Projektergebnissen.