„Das ist die Aufgabe der Schule, nicht meine“: Wege, um Eltern von der Beteiligung zum Engagement zu bewegen

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Wie sind die Eltern der Schüler? Wahrscheinlich haben Sie kein einheitliches, typisches Bild im Sinn. Eltern können aus verschiedenen kulturellen und sprachlichen Hintergründen kommen und darüber hinaus können sie streng oder nachsichtig, neugierig oder apathisch, kreativ oder pedantisch sein. Unabhängig vom Profil der Eltern sollte die Lehrkraft jedoch nicht einfach nur auf sie reagieren, sondern versuchen, sie in die Ausbildung ihrer Kinder einzubeziehen. Hier sind drei Möglichkeiten, wie dies erreicht werden kann.

Eltern das Gefühl geben, dass sie dazugehören

Bei der familiären Bildung laden Schulen Familien- und andere Gemeinschaftsmitglieder ein, nach ihren eigenen Neigungen an Lernaktivitäten teilzunehmen, zum Beispiel am Literatur- und Sprachunterricht für Migrantenfamilien oder an dialogischen Literaturrunden. Das Forschungsprojekt INCLUD-ED identifizierte die familiäre Bildung als Successful Educational Action (SEA, erfolgreiche Bildungsaktion).

Die an entsprechenden Aktivitäten teilnehmenden Erwachsenen fördern sowohl ihren eigenen Lernerfolg als auch den ihrer Kinder. Ein Bildungsexperte erinnert sich: „Es gibt Kinder, die sich, bevor ihre Mutter ins Zentrum kam, dem Unterricht entzogen, im Klassenzimmer einschliefen ... jetzt heißt es: „Schau, Mama, das habe ich gemacht!““ Seit der Einführung der familiären Bildung hat sich die Lese- und Schreibkompetenz der Schüler an der Mediterrani-Schule in Katalonien von 21 % (2011-2012) auf 80 % (2014-2015) erhöht und die Fehlzeiten sanken von 47 % auf 1 %.

Diese und andere SEAs wurden während und nach der Durchführung des Projekts mit großem Erfolg implementiert. Sie können sich deren sozialen Auswirkungen und Ergebnisse auf der Projekt-Website ansehen. Weitere Informationen zur familiären Bildung können Sie dem entsprechenden Eintrag im Europäischen Toolkit für Schulen entnehmen oder sehen Sie sich das Interview mit Teresa Sordé Martí an:

INCLUD-ED lief von 2005 bis 2012 und erhielt Mittel aus dem Sechsten Rahmenprogramm der Europäischen Gemeinschaft. Das Forschungsteam bestand aus 15 Organisationen aus 14 verschiedenen europäischen Ländern.

Abfederung von Übergangsphasen mit dem Eltern-Toolkit

Sowohl Lehrkräfte als auch Eltern sind auf ihre eigene Weise mit der Bildung der Kinder betraut. Dieses Prinzip der geteilten Verantwortung bildet den Eckstein des Eltern-Toolkits (La mallette des parents), mit dem Eltern ihre Kinder beim Lernen, Akklimatisieren und Treffen geeigneter Studienentscheidungen unterstützen können.

Das Toolkit kommt in drei Schlüsselphasen der Schulbildung von Kindern zum Einsatz:

  1. Erstes Jahr der Grundschule, wenn die Schüler lesen lernen
  2. Erstes Jahr der Sekundarschule, wenn die Schüler an eine neue Schule wechseln
  3. Letztes Jahr der Sekundarschule, wenn die Schüler einen weiteren Ausbildungsabschnitt beginnen oder eine Berufslaufbahn einschlagen

Eine Institution, die auf der Grundlage des Toolkits Treffen mit Eltern organisiert, ist die Saint-Exupéry Grundschule in Frankreich. An dieser Schule werden die Eltern auch eingeladen, den Unterricht als Beobachter zu besuchen, damit sie den Lernprozess besser verstehen können und wissen, welche Einstellung von den Schülern erwartet wird.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich die Eltern dank des Toolkits stärker in die Schulbildung ihrer Kinder einbringen – mit dem zusätzlichen Effekt, dass sich die Disziplin verbessert, die Fehlzeiten sinken und die Leistungen in Fächern wie Französisch besser werden.

Mehr über das Eltern-Toolkit erfahren Sie auf der offiziellen Website (Französisch) oder im entsprechenden Eintrag im Europäischen Toolkit für Schulen (23 Sprachen).

Das Eltern-Toolkit ist eine Initiative der französischen Regierung, die immer noch läuft.

Schulung von Eltern zur Erkennung und Prävention von Risiken in sozialen Netzwerken und im Internet

Soziale Medien und das World Wide Web haben die Kommunikationslandschaft grundlegend verändert, sodass Eltern die Übersicht über die sozialen Interaktionen ihrer Kinder verloren haben. Dies kann zwar den Horizont der Kinder erweitern und ihnen neue Kulturen und Denkweisen erschließen – aber auf der anderen Seite kann es sie auch gefährden.

Um dieses Problem anzugehen, bietet das Projekt ParentNets Eltern einen Leitfaden für die möglichen Online-Aktivitäten ihrer Kinder und insbesondere die Gefahren, die die neuen Technologien für sie darstellen können. In erster Linie geschieht dies durch ein Handbuch mit Richtlinien, Ressourcen und nationalen Hilfeprogrammen (das auch zum Download bereitsteht) und an zweiter Stelle durch ein virtuelles Spiel (verfügbar für mehrere Betriebssysteme).

Bei diesem Projekt handelte es sich um eine strategische Erasmus+ Partnerschaft, die von 2014 bis 2016 lief und fünf Länder umfasste: Belgien, Irland, Portugal, Rumänien und Spanien. Es wurde als Good Practice-Beispiel ausgezeichnet.

Weitere Ressourcen zum elterlichen Engagement finden Sie unter Das Europäische Toolkit für Schulen.

Aktuelle und frühere von der EU finanzierte Projekte zur schulischen Bildung finden Sie auf der Erasmus+ Plattform mit Projektergebnissen.