Gemeinsam lernt man besser: Interkulturelles Lernen in Europa

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Interkulturelles Lernen bezeichnet den Erwerb von Wissen, Verhaltensweisen und Kompetenzen im Umgang mit unterschiedlichen Kulturen. In unserer zunehmend multikulturell geprägten Gesellschaft wird es immer notwendiger, derartige Kompetenzen auch in den Lehrplan zu integrieren. In diesem Artikel werden beispielhaft drei erfolgreiche Initiativen für interkulturelles Lernen in Europa vorgestellt.

Nightingale: Mentoring- und Integrationsprojekt - Schweden

Nightingale

Nightingale ist ein schwedisches Mentoring- und Integrationsprojekt, das Studenten mit Grundschülerinnen und Grundschülern aus Minderheiten oder mit Migrationshintergrund zusammenbringt. Das Programm sieht vor, dass sich Mentor und Kind über sieben bis acht Monate hinweg jede Woche etwa zwei bis drei Stunden begegnen. Bei diesen informellen Treffen geht es vor allem um gemeinsame Unternehmungen wie Zoo- oder Kinobesuche oder sportliche Aktivitäten. Die Hauptziele von Nightingale sind:

  • durch das Mentoring von Kindern aus vielfältigen sozialen und ethnischen Hintergründen das Bewusstsein angehender Lehrkräfte für interkulturelles Lernen und Verstehen fördern sowie
  • Kontakte zwischen Studenten und Schulkindern ermöglichen, um Lücken zwischen Theorie und Praxis in der Lehrkräfteausbildung zu schließen.

Darüber hinaus basiert das Nightingale-Programm auf dem Prinzip des „beidseitigen Nutzens“. Der Mentor wird durch den Aufbau einer persönlichen Beziehung zum Vorbild für das Kind und stärkt dadurch das persönliche und soziale Selbstverständnis. Die Studenten erhalten Einblick in das Leben eines Kindes (und einer Familie) und entwickeln einen Bezug zu Menschen in sehr unterschiedlichen Lebensumständen, was für ihren weiteren Ausbildungs- und Berufsweg sicherlich von großem Vorteil ist.

Joaquim Ruyra Elementary School - Spanien

Joaquim Ruyra Elementary School

Die Joaquim Ruya Elementary School ist keine gewöhnliche Grundschule. Im Schuljahr 2016/17 betrug der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund und aus Minderheiten (Roma) 92 %. 28 Nationalitäten waren dabei vertreten (u. a. Pakistan, Marokko, Georgien, Kolumbien, Dominikanische Republik, Ecuador, Peru, Philippinen, China, Bangladesch, Senegal und die USA) und die Mobilitätsquote lag bei 40 %.  

Trotz der großen Vielfalt und der Lage in einem ärmeren Vorort von Barcelona erzielte die Schule akademische Erfolge, die noch über dem Durchschnitt katalanischer Standardtests und vielen Eliteschulen der Region liegen. Wie konnte dies erreicht werden?

In allen Klassenstufen der Schule besteht 40 % bis 60 % des Unterrichts aus Gruppenarbeit. In den Gruppen begegnen sich Kinder mit unterschiedlichem Leistungsstand, Geschlecht und unterschiedlichen Nationalitäten. Die Gruppen sind klein genug, damit niemand ausgegrenzt wird. Jede Gruppe wird von einer erwachsenen Bezugsperson angeleitet (z. B. einer Hilfskraft oder Eltern), häufig unterstützt durch psychologisch oder sonderpädagogisch geschultes Personal. Diese besondere Förderung und Interaktion auf Schülerseite wird als wichtiger Bestandteil des Lernprozesses verstanden.

Die innovative Unterrichtsgestaltung bietet der Schule einen Zugang zum lokalen Umfeld, fördert Inklusion und Solidarität und stärkt die Erwartungen im Hinblick das Leistungspotenzial der Schülerinnen und Schüler.

Inclusive Schools: Making a Difference for Roma Children

Inschool

Inclusive Schools: Making a Difference for Roma Children (INSCHOOL) ist ein Gemeinschaftsprojekt der Europäischen Union und des Europarats zur Förderung von Inklusion im Bildungssektor. Das Projekt läuft seit 2017 in fünf Ländern: Tschechien, Ungarn, Rumänien, Slowakei und Bulgarien.

Interessant an dem Projekt ist die Grundannahme, dass Veränderung auf politischer Ebene nicht ausreichend ist. Um tatsächlich Veränderung zu bewirken, muss sie sich auch auf Schulebene und im Lernumfeld des Kindes widerspiegeln. Anstatt das Kind selbst als Problem darzustellen, nimmt INSCHOOL das Bildungssystem als solches in den Blick und untersucht, inwieweit es in der Lage ist, auf die Bedürfnisse von Romakindern einzugehen, Unterschiedlichkeit wertzuschätzen und ihr Lernerlebnis zu fördern.

Inschool2

Die Aktivitäten im Rahmen des Projekts konzentrieren sich auf zwei Interventionsebenen. Der praktische Bereich umfasst Maßnahmen an Schulen zur Sensibilisierung für die Vorteile inklusiver Bildung. Im jeweiligen Land richtet sich das Programm an verschiedene Schulen in unterschiedlichen Städten, um evidenzbasierte Maßnahmen auf politischer Ebene zu gewährleisten. Der zweite Bereich widmet sich der Überarbeitung und Anpassung auf politischer Ebene. Zu den vielen Erfolgen des Projekts zählen:

  • höhere Beteiligung der Eltern an nichtformalen Angeboten wie Workshops und Sensibilisierungskampagnen zu verschiedenen Themen,
  • Einsatz für eine nichtformale Bildung mit Inklusionsansatz sowie
  • Verbesserung der schulischen Räumlichkeiten durch aus Zuschüssen finanzierte Aktivitäten.

Weitere laufende und abgeschlossene von der EU geförderte Projekte in der schulischen Bildung finden Sie auf der Erasmus+-Projektergebnisplattform.

Mehr Projekte zu interkulturellem Lernen finden Sie im Europäischen Toolkit für Schulen.