Bildung für Bürgerbeteiligung – Erziehung der BürgerInnen von morgen

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Die BürgerInnen spielen eine wichtige Rolle beim Aufbau einer besseren, demokratischen Gesellschaft. Die Entwicklung von Kompetenzen und Haltungen im Sinne einer Beteiligung der Bürger ist daher von entscheidender Bedeutung. Aktive BürgerInnen kennen nicht nur ihre Rechte und Pflichten, sondern zeigen sich auch solidarisch mit Anderen und sind bereit, der Gesellschaft etwas zurückzugeben.

Der Aufbau von Bürgerbeteiligung und bürgerschaftlicher Kompetenzen ist integraler Bestandteil der neuen Prioritäten für die europäische Zusammenarbeit in Bildung und Ausbildung, die auf die wichtige Rolle der Bildung für die Förderung von Gleichheit und Nichtdiskriminierung und die Vermittlung von Grundwerten, interkulturellen Kompetenzen und Bürgerbeteiligung abheben.

Werfen wir einen Blick auf vier Projekte und Initiativen, die beispielhaft dafür stehen, wie sich die Grundlagen für Bürgerbeteiligung legen lassen.

Europäisches Wergeland-Zentrum – Bildung für Demokratie und Menschenrechte

Das Europäische Wergeland-Zentrum (EWC) wurde vom Europarat zusammen mit Norwegen gegründet, um seine Mitgliedstaaten dabei zu unterstützen, demokratische Bürgerbeteiligung, Menschenrechte und interkulturelles Verständnis in der Bildung zu verankern.

In enger Zusammenarbeit mit den einzelstaatlichen Behörden entwickelt das EWC Programme, die genau auf die Bedürfnisse und Prioritäten der nationalen Bildungssysteme abgestimmt sind. Diese Maßnahmen erstrecken sich über ganz Europa und stehen TeilnehmerInnen aus den 47 Mitgliedstaaten des Europarats offen.

Die EWC-Sommerakademien an unterschiedlichen Orten helfen Lehrkräften, demokratische Bürgerbeteiligung, Menschenrechte und interkulturelles Verständnis in Schulgemeinschaften zu fördern, während sich andere Initiativen mit potenziell kontroversen Themen wie Einwanderung und Flüchtlinge, Aufklärungsunterricht, Verwendung religiöser Symbole und Kindesmissbrauch befassen. Das EWC führt auch nationale Programme durch, so zum Beispiel Bildung für demokratische Bürgerbeteiligung in der Ukraine, dessen Ziel es ist, den sozialen Zusammenhalt zwischen den Regionen zu stärken, oder Weiterbildung Bürgerbeteiligung in der Praxis in Russland, die eine die gesamte Schule einbeziehende Schulung für Lehrkräfte, VerwaltungsmitarbeiterInnen in Schulen und HochschulvertreterInnen bietet. 

Bildungswoche gegen Rassismus und Antisemitismus in Frankreich 

Der 21. März ist der Internationale Tag gegen Rassismus. 2015 gab es Schätzungen zufolge jeden Tag fünf rassistisch motivierte Handlungen oder Bedrohungen in Frankreich. Um dagegen vorzugehen, hat die französische Regierung eine Schwerpunktwoche gegen Rassismus, Diskriminierung und Antisemitismus (Semaine d'éducation et d'actions contre le racisme & l’antisémitisme) ins Leben gerufen.

An diesem Event sind SchülerInnen, Eltern und Schulpersonal ebenso beteiligt wie schulische Organisationen. Die Aktionen erfolgen auf Schul- und Gemeindeebene. Die Beteiligten sind aufgefordert, eigene Maßnahmen gegen Rassismus zu entwickeln. Zwischen dem 21. und 27. März 2016 fanden Projekte, Initiativen, Debatten, Live-Vorführungen, Ausstellungen und Workshops in ganz Frankreich statt. Die SchülerInnen des Lycée Jacques Brel in La Courneuve entwickelten beispielsweise eine Reihe von Aktivitäten, darunter die Analyse und Diskussion des Films „American History X“ und eine Ausstellung zu Claude Lévi-Strauss. Weitere Geschichten und Beispiele finden Sie auf dem Blog der Woche gegen Rassismus.

Die französische Regierung hat außerdem zwei Werbekampagnen gestartet: Tous Unis Contre la Haine („Gemeinsam gegen den Hass“) und Debout contre le Racisme („Ein Zeichen setzen gegen Rassismus“).

STEP: Mach mit und schütze deine Umwelt!

Die Förderung der Teilhabe der Jugend ist für Umweltfragen von ganz besonderer Bedeutung, da sich die Entscheidungen, die heute zu Fragen des Klimawandels, zur Verknappung der Ressourcen und zum Verlust der Artenvielfalt getroffen werden, langfristig auswirken. Ein neues Horizont-2020-Projekt, STEP, will junge Menschen ermutigen, sich an den Entscheidungsprozessen ihrer lokalen Behörden zu Umweltfragen zu beteiligen.

 Das im Juni 2015 gestartete Projekt hat es sich zur Aufgabe gemacht, eine interaktive Plattform mit sozialem Netzwerk und Spielen zu entwickeln, die Jugendliche aktiv werden lässt und sie in das Handeln ihrer Behörden vor Ort einbindet. Die SchülerInnen werden ermutigt, Kampagnen umzusetzen, konstruktive Kritik an der aktuellen Politik zu üben, Petitionen zu organisieren und mit ihren lokalen Behörden ins Gespräch zu kommen.

Im Rahmen des Projekts werden fünf Pilotstudien in vier europäischen Ländern (Italien, Spanien, Griechenland und Türkei) durchgeführt.

Me & MyCity: Bürger sein will gelernt sein

Me & MyCity ist ein viel gelobtes finnisches Projekt, das seit 2009 läuft. Das Projekt nutzt die Simulation einer Stadt als Lernumgebung, in der die SchülerInnen eine Vorstellung davon entwickeln sollen, wie Banken, Postfilialen, Versorgungsunternehmen, Museen und Rathäuser funktionieren. Der Schwerpunkt des Projekts liegt auf der Entwicklung von unternehmerischen Kompetenzen. Als Teil einer ‚Miniatur-Stadt’ erproben und verbessern die SchülerInnen aber auch ihre bürgerschaftlichen Kompetenzen, da sie als aktive Mitglieder der Gesellschaft agieren.

Das Lernkonzept umfasst Schulungen für die Lehrkräfte, Lehrmaterial für zehn Stunden und einen Tagesbesuch in der Me & MyCity-Lernumgebung. 45.000 finnische SchülerInnen nehmen jedes Jahr an dem Programm teil, 70 % der finnischen SechstklässlerInnen werden erreicht.

My & MyCity wurde vor kurzem mit dem Global Best Award in der Kategorie ‚Partnerschaften, die Lerngemeinschaften aufbauen’ ausgezeichnet. Ab 2017 wird es das Lernkonzept auch in Stockholm geben.