Lehrplanreform: mehr als nur neue Schulbücher

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Damit ein System wachsen und sich entwickeln kann, sollten zunächst dessen Stärken und Schwächen ermittelt werden. Es ist auch von Vorteil, von anderen Systemen zu lernen: Dies war die Prämisse des ET 2020-Rahmens für die europäische Zusammenarbeit. Welche Lehrplanreformen haben in den letzten Jahren Aufmerksamkeit erregt?

Kroatien: Eine Schule fürs Leben schaffen

Dubrovnik, Kroatien

Bild: Dubrovnik, Kroatien (Spencer Davis/Unsplash.com)

Anstatt eines sofortigen Starts wurde die Lehrplanreform Schule fürs Leben zunächst in Form eines neuen nationalen Lehrplanrahmens (2015) umgesetzt, gefolgt von einem ehrgeizigen Versuchsprogramm (2018-19), an dem 74 Schulen teilnahmen – etwa 5 % der kroatischen Schulen.

Das Hauptziel des experimentellen Programms war es, effektive Lehr- und Lernpraktiken zu bestimmen, wobei den Lehrkräften mehr Autonomie bei der Unterrichtskonzeption gegeben wurde. Außerdem sollten die Risiken und Schwachpunkte ermittelt werden, die die Lehrplanänderungen mit sich bringen können. Der Fokus lag weniger auf der Überprüfung von Lehrplandokumenten als auf der Beurteilung des schulischen Ökosystems: Welche Bedingungen garantieren die besten Ergebnisse der Reform?

Ein Sonderkomitee aus Bildungs- und Evaluierungsexperten wurde damit beauftragt, verschiedene Schulparameter zu untersuchen: von der Ausstattung und den Lehrbüchern bis hin zur Lehrerausbildung und -autonomie. Mitgestaltung war der wichtigste Erfolgsfaktor während der Vorbereitungs- und Umsetzungsphase des Programms, in der versucht wurde, alle wichtigen Akteure einzubinden: Lehrer/innen, Schüler/innen, fachkundige Mitarbeiter/innen, Eltern, das Ministerium, Arbeitsgruppen für die Umsetzung der Reform und zuständige Behörden.

Die Schlussfolgerungen dieses Programms werden nun in die Lehrplanreform einbezogen, wobei besonderes Augenmerk auf die Lehrerausbildung, eine motivierende Umgebung zum Lernen und Lehren mit entsprechender Ausstattung und hochwertiges Lehrmaterial gelegt wird.

Norwegen: Werte und Prinzipien für die Primar- und Sekundarschulbildung

Gymnasium Kongsbakken, Tromsø, Norwegen

Bild: Gymnasium Kongsbakken – Tromsø, Norwegen (Kirk K/Flickr.com)

In seiner ersten großen Bildungsreform seit 14 Jahren hat Norwegen im Herbst 2020 einen neuen Kernlehrplan und neue Fachlehrpläne in Kraft gesetzt. Eines der Hauptziele der Reform ist es, den Fokus auf Schlüsselelemente des Kernlehrplans in den einzelnen Fächern zu legen und sie so besser miteinander zu verzahnen.

Die bedeutendsten Änderungen sind:

  • Die Einführung von drei fächerübergreifenden Themen, die wichtige gesellschaftliche Herausforderungen markieren: Gesundheit und Lebenskompetenz, Demokratie und Staatsbürgerschaft sowie nachhaltige Entwicklung
  • Mehr praktische Übungen und Erforschung in verschiedenen Fächern
  • Neuer Fokus auf kritischem Denken und kritischem Umgang mit Quellen
  • Spielerisches Lernen für die Jüngsten
  • Verstärkte Förderung von digitalen Kompetenzen, Programmierung und Technologie
  • Reduzierung der Anzahl der fächerspezifischen Kompetenzen, um vertieftes Lernen zu ermöglichen

Unterstützungsmaterial auf Norwegisch wurde entwickelt, um den Pädagogen/-innen durch die Übergangsphase zu helfen, die voraussichtlich drei Jahre dauern wird.

Portugal: Flexibilität und Autonomie des Lehrplans

Gafanha da Encarnação, Portugal

Bild: Gafanha da Encarnação, Portugal (Héctor Martínez/Unsplash.com)

Portugal begann den Prozess der Bildungsreform mit der Analyse, welche Werte und Kompetenzen die aktuelle Schülergeneration haben sollte, um in einer globalen Gesellschaft zu bestehen. Diese wurden dann in dem 2017 veröffentlichten Dokument Schülerprofil am Ende der Schulpflicht spezifiziert.

Nach der Festschreibung dieser Bildungsvision gab die Regierung den neuen maßgeblichen Kernlehrplan heraus, um der Überfrachtung des Lehrplans entgegenzuwirken und tiefergehendes Lernen zu fördern. Außerdem wurden Berufsverbände wie die Vereinigung der Mathematiklehrer/innen und der portugiesische Verband der Englischlehrer/innen aufgefordert, die gemeinsamen grundlegenden Kompetenzen zu bestimmen, die alle Schüler/innen erwerben sollten.

Eine Besonderheit des portugiesischen Ansatzes ist das Projekt für Autonomie und Lehrplanflexibilität (PACF). Bei diesem Projekt ging es um die Umsetzung und Evaluation des Lehrplans und es wurde versucht, den Beteiligten die eigene Verantwortung deutlich zu machen. Zum Beispiel räumte PACF den Schulen Autonomie über bestimmte Lehrplan- und Pädagogikbereiche ein, sodass sie Lernerfahrungen den Zielen des Schülerprofils gemäß konzipieren können. Dies könnte zum Beispiel bedeuten, den Unterricht und die Übungen auf Nicht-Muttersprachler oder Schüler/innen, die Gefahr laufen, die Schule abzubrechen, zuzuschneiden. Es bleibt abzuwarten, wie sich dieser Ansatz mit der bestehenden zentralisierten Steuerung des Bildungssystems vereinbaren lässt, aber die Aussichten sind laut OECD positiv.

Auch andere Länder überdenken ihren Lehrplan! Hier finden Sie weitere Informationen:

 Weitere laufende und abgeschlossene von der EU geförderte Projekte in der schulischen Bildung finden Sie auf der Erasmus+-Projektergebnisplattform.