Grenzübergreifende Schulen: Grenzen in der Bildung überschreiten

Image: Ben White / Unsplash.com

Angesichts von 38 internationalen Grenzen ist es nicht verwunderlich, dass es in der Europäischen Union eine große Anzahl von Grenzregionen gibt. Typisch für solche Regionen ist die Zusammenarbeit zwischen zwei oder mehr grenznahen Gebieten in Form von gemeinsamen Projekten wie grenzübergreifenden Schulen. Diese Schulen sollen zur „Stärkung und Einheit des Kontinents“ beitragen, indem sie die Beziehungen zwischen den Regionen festigen, die Kenntnis der Kultur, des Erbes und der Sprache der Nachbarländer erhöhen und damit wiederum die Mobilität und Beschäftigungsfähigkeit junger Menschen steigern. Im Folgenden werden einige herausragende Beispiele für grenzübergreifende Schulen und Initiativen innerhalb der EU und darüber hinaus beschrieben.

Tornio Haparanda Sprachschule – zwei Länder, eine Schule

Denkmal in Tornio

Bild: Offizieller Tourismusführer Tornio-Haparanda

Es gibt keinen besseren Weg zur Pflege der interkulturellen Kooperation als einen Ort, an dem die Grenzen zwischen den Ländern unsichtbar sind und Kinder aus verschiedenen Ländern von klein auf gemeinsam spielen und lernen. Für die Kinder an der gemeinsamen Sprachschule von Tornio und Haparanda, die sich an der Grenze zwischen Schweden und Finnland befindet, ist das tägliche Realität. Die bilinguale Grundschule ist nur eines von zahlreichen Beispielen, bei denen die Zwillingsstädte kooperieren. Viele der gemeinsamen Projekte werden von der Europäischen Union kofinanziert, insbesondere durch INTERREG, und sind Teil des Strategieprogramms Europa 2020.

Obwohl auf schwedischer Seite gelegen, nimmt die gemeinsame Sprachschule gleich viele Schüler aus beiden Ländern auf. Mit dem Projekt soll Wissen über die gemeinsame Geschichte der Region weitergegeben sowie Respekt und Verständnis unter ihren Bürgern gefördert werden.

Kinder in Haparanda

Bild: Haparanda stad

Die Schüler werden meist in ihrer Muttersprache unterrichtet, allerdings gibt es schon sehr früh in Fächern wie Kunst, Handarbeit und Sport gemischtsprachige Gruppen. Das Sprachenlernen und die Zusammenarbeit werden auch außerhalb des Klassenzimmers fortgesetzt, da die Schüler oft gemeinsam spielen und an Exkursionen teilnehmen.

Angesichts dieser herausragenden Förderung der Zweisprachigkeit ist die Region zu Recht stolz darauf, als eines der besten Beispiele für grenzüberschreitende Zusammenarbeit in Europa zu gelten.

Weitere Informationen über das Projekt finden Sie hier.

Mit Eskola Futura bilinguale Lehrkraft werden

Eskola Futura-Gruppenfoto

Bild: Eskola Futura

Die Sprache spielt in grenzüberschreitenden Regionen eine entscheidende Rolle, da sie ihren Bewohnern Türen zu Beschäftigung und Mobilität öffnen kann. Dies ist das Ziel der Initiative, die von der sprachlich vielfältigen Euroregion Nouvelle-Aquitaine Euskadi Navarra (EGTC) an der Grenze zwischen Spanien und Frankreich getragen wird.

Eskola Futura (IRAKASLEGAIAK AEN) hat, wie der Name schon sagt, den Blick auf die Zukunft gerichtet und beruht auf der Annahme, dass die Zukunft bei den Lehrkräften beginnt. Das Projekt bietet zukünftigen Lehrkräften die Möglichkeit, an einem intensiven zweijährigen Fortbildungsprogramm teilzunehmen, um sie auf den Unterricht in Französisch/Baskisch und Französisch/Okzitanisch an zweisprachigen öffentlichen Schulen vorzubereiten. Mit der Initiative soll nicht nur die steigende Nachfrage nach zweisprachigen Lehrkräften in der Region gedeckt werden, sondern sie dient auch folgenden Zwecken:

  • Förderung der Nutzung der Regionalsprachen (Französisch, Spanisch, Baskisch und Okzitanisch)
  • Verbesserter Zugang zu Arbeitsplätzen für junge Menschen in der Region
  • Stärkung der Zusammenarbeit zwischen Universitäten
  • Förderung des grenzüberschreitenden Austauschs pädagogischer Methoden

Im Jahr 2018 traten insgesamt 18 Studierende von verschiedenen Partneruniversitäten dem Programm bei. Hören Sie sich an, was sie über ihre Erfahrungen mit dem Programm zu sagen haben:

Das Projekt ist Teil des grenzübergreifenden Kooperationsprogramms INTERREG POCTEFA 2014-2020, das teilweise durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) finanziert wird.

In dieser Informationsbroschüre finden Sie Näheres zum Programm.

Europäische Schule in Georgien – erste ihrer Art außerhalb der EU

Eröffnung der EU-Schule in Georgien

Bild: Europäische Union

Die Eröffnung der ersten europäischen Komplettschulen außerhalb der EU-Grenzen markiert einen Meilenstein in der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit zwischen der EU und den Ländern der Östlichen Partnerschaft (ÖP). Die Initiative baut auf dem Erfolg der ersten Phase des Europäischen Schulprojekts für die Östliche Partnerschaft auf, das letztes Jahr in Tiflis, Georgien, ins Leben gerufen wurde. Das Programm ist für den Zeitraum 2018 bis 2022 geplant und gibt 30 herausragenden Studierenden aus der Region die Möglichkeit, einen einzigartigen Lehrplan auf der Grundlage des International Baccalaureate- (IB) Programms und der wichtigsten Elemente der Europawissenschaften zu durchlaufen.

In der zweiten Projektphase soll im Jahr 2023 eine neu errichtete Europäische Schule eröffnet werden, an der der gesamte europäischen Schullehrplan unterrichtet wird. Das Ziel des Projekts ist die Sicherstellung einer hochwertigen Bildung, um Kompetenzen zu entwickeln, die Beschäftigungsfähigkeit zu fördern und die Zukunftschancen für junge Menschen in der Region insgesamt zu erhöhen.

Die neue europäische Schule ist nur eines von vielen Beispielen dafür, wie die EU die Bildung in der Nachbarregion unterstützt. Im Zuge der Europäischen Nachbarschaftspolitik fördert die EU Austausch- und Ausbildungsprogramme für Jugendliche wie Erasmus+ zur Verbesserung der Hochschulbildung und des Schutzes des Kulturerbes.

Aktuelle und frühere von der EU finanzierte Projekte zur schulischen Bildung finden Sie auf der Erasmus+ Plattform mit Projektergebnissen.