Drei Maßnahmen gegen Mobbing in der Schule

Image: oneinchpunch / Shutterstock.com

Man kann nicht schwimmen, wenn man darum kämpfen muss, sich über Wasser zu halten. Wenn Menschen regelmäßig Unsicherheit erleben, streben sie nicht nach höheren Zielen – sie sind dann nicht unternehmensfreudig oder lebendig oder kreativ. Diese Beobachtung des Psychologen Abraham Maslow erklärt einen auffälligen Effekt von Mobbing: die Tatsache, dass gemobbte SchülerInnen häufig das Lernen einstellen. Aber auch andere Beteiligte leiden unter den Konsequenzen – so fühlen sich Beobachter oft schuldig und entwickeln ungesunde Ansichten über Machtstrukturen. Erfreulicherweise haben die unten vorgestellten Projekte Wege entwickelt, Lehrkräfte beim Umgang mit diesem schwierigen Thema zu unterstützen.

Maßnahme 1: Gruppennormen

Mobbing ist normalerweise ein Gruppenphänomen – um das Problem möglichst früh anzugehen, entschied sich die KiVa-Initiative deshalb, sich auf die Gruppennormen zu konzentrieren.

Durch einen speziellen Lehrplan mit Unterrichtsstunden und Online-Spielen bringt KiVa Kindern bei, Mobbing nicht zu ermutigen und gefährdete MitschülerInnen zu unterstützen. Diese Lehrplanaktivitäten werden Universalmaßnahmen genannt und sollen dafür sorgen, dass Mobbing gar nicht erst auftritt. Selbstverständlich sieht das Programm aber auch Einzelmaßnahmen für Fälle vor, in denen es bereits zu Mobbing gekommen ist. Diese umfassen Einzel- und Gruppengespräche zwischen dem KiVa-Team der Schule und den betroffenen SchülerInnen sowie Unterstützung durch die MitschülerInnen für das gemobbte Kind.

Es gibt viele Anti-Mobbing-Programme, aber KiVa zeichnet sich dadurch aus, dass es auf Herz und Nieren getestet wurde. In Finnland wurde es in einer randomisierten kontrollierten Studie mit insgesamt 234 Schulen geprüft – anschließend berichteten beeindruckende 98 % der von Mobbing betroffenen SchülerInnen, dass sich ihre Situation verbessert habe. KiVa hat Lizenzpartner in 14 Ländern und wurde oder wird in acht weiteren getestet.

KiVa wurde an der Universität Turku in Finnland entwickelt und vom finnischen Ministerium für Bildung und Kultur gefördert.

Maßnahme 2: Ausbildung

Mobbing ist ein komplexes Thema. Man kann daher weder von Lehrkräften noch von SchülerInnen einen intuitiven Umgang damit verlangen. Das ENABLE-Projekt suchte nach einem ganzheitlichen Ansatz und bildete SchülerInnen, MitarbeiterInnen und Eltern/Erziehungsberechtigte mit einer Kombination aus sozialem und emotionalem Lernen (SEL) und Peer-Support weiter.

Die Strategie sieht in erster Linie eine Reihe von zehn SEL-Modulen aus Unterrichtsentwürfen, Folienpräsentationen und Ressourcen-Arbeitsblättern vor. Weitere wichtige Bausteine sind ein Peer-Supporter-Programm, aufgeteilt in eine ganztägige Schulung und wöchentliche Sitzungen, Webinare zur Umsetzung von ENABLE und Ressourcen für Eltern und Erziehungsberechtigte. Sie können sich diese Fülle an Materialien auf der entsprechenden Seite ansehen oder einfach die ENABLE-Broschüre herunterladen, die einen umfassenden Überblick über die Ressourcen für alle interessierten Parteien bietet.

Die Projektpartner erstellten außerdem einen Mobbing-Report mit allen möglichen Inhalten: Definitionen und Arten von Mobbing, Interpretationen von Kindern, Vergleiche nach Alter/Land/Geschlecht, wichtige Maßnahmenprogramme und mehr. Dieser Bericht liegt auch in Form einer Zusammenfassung vor.

ENABLE war ein von der EU gefördertes Projekt von Belgien, Dänemark, Griechenland, Kroatien und dem VK mit einer Laufzeit von drei Jahren (2014-2016). Die ENABLE-Internetseite steht in allen Sprachen der Partnerländer zur Verfügung.

Maßnahme 3: Gemeinschaft

Obwohl Mobbing häufig mit Schule in Verbindung gebracht wird, ist dies nicht der einzige Ort, an dem es vorkommt. Die Möglichkeit besteht in allen Zusammenhängen von Kindheit und Jugend wie Familie, Nachbarschaft und – natürlich – Internet. Deshalb wählte das Projekt From Peer to Peer einen gemeindeorientierten, territorialen Ansatz für den Umgang mit Mobbing. Während die Schulkinder Projektaktivitäten gegen Mobbing durchführten, arbeiteten zahlreiche Einrichtungen mit demselben Ziel zusammen: Rathäuser, Schulen, Hochschulen, Verbände von Bildungs- oder Forschungszentren, Regionalregierungen und nicht formale Bildungsanbieter. Die Schlussfolgerungen dieser internationalen Partnerschaften wurden dann über Workshops, Konferenzen, Treffen, Pilotprojekte und mehr wieder auf die lokale Ebene gebracht.

Zu den wichtigsten Projektergebnissen gehören ein kostenloser MOOC und eine Grundlagenstudie über den Stand des Mobbings in Europa, die in der folgenden Infografik zusammengefasst ist (zum Vergrößern klicken):

From Peer to Peer war eine Strategische Partnerschaft im Rahmen von Erasmus+ zwischen Belgien, Griechenland, Italien, Portugal, Rumänien, Spanien (Projektkoordinator) und Ungarn. Es lief zwischen 2016 und 2018 und wurde als Beispiel für gute Praxis ausgezeichnet.


Leseempfehlungen:

https://www.coe.int/en/web/campaign-free-to-speak-safe-to-learn/preventing-bullying-and-violence

http://www.actionantibullying.eu/index.php?option=com_content&view=featured&Itemid=793