Den Geschichtsunterricht überdenken

Bild: Berliner Mauer, 1989/© Europäische Kommission

Da Europa vor wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen steht, kommt dem Geschichtsunterricht eine noch größere Bedeutung zu.

Was ist die Beobachtungsstelle für den Geschichtsunterricht?

Das Ministerkomitee des Europarates hat im November 2020 die Beobachtungsstelle für den Geschichtsunterricht in Europa eingerichtet, um einen Beitrag zum Ziel 4 für nachhaltige Entwicklung zu leisten.

Die Beobachtungsstelle wird Sachinformationen über den Stand des Geschichtsunterrichts in den 17 teilnehmenden Ländern zusammentragen und weitergeben, den Austausch von bewährten Praxisbeispielen und das Voneinanderlernen unterstützen und als Plattform für berufliche Weiterbildung dienen.

Die griechische Präsidentschaft des Europarates merkte an, dass die Beobachtungsstelle „ein wertvolles Werkzeug im Kampf gegen gefährlichen Revisionismus und Versuche, die historische Wahrheit zu verfälschen“ sei.

EUROCLIO: Das Führen respektvoller Debatten über kontroverse Themen vermitteln

Auch EUROCLIO (European Association of History Educators) fördert kritisches Denken, Multiperspektivität, gegenseitigen Respekt und die Einbeziehung kontroverser Themen und „hilft den Pädagogen dabei, Lernenden eine innovative und verantwortungsvolle geschichtliche und politische Bildung zu vermitteln“.

Streitfragen und Meinungsverschiedenheiten im Unterricht lautete das Thema der Jahrestagung. Angesichts zunehmender Diversität im Klassenzimmer und der Bildung von Meinungsblasen müssen die Lehrkräfte über geeignete Kompetenzen verfügen, wenn sie mit radikalen und gegensätzlichen Ansichten konfrontiert werden.

Neukonzeption des Lehrplans für Geschichte

Eine Neukonzeption des Geschichtslehrplans wirft verschiedene Fragestellungen auf. Wie können soziologische Entwicklungen berücksichtigt werden? Wie lassen sich die Voraussetzungen für ein friedliches Zusammenleben schaffen? Wie können wir das Bewusstsein für unser gemeinsames historisches Erbe schärfen? Wie geht man mit Vorurteilen um?

Ein Geschichtsunterricht unter Einbeziehung von kritischem Denken und Primärquellen sowie eines multiperspektivischen Ansatzes kann die Schüler/innen dazu bringen, Diversität zu schätzen. Auch die Einbindung von geschichtlichen Themen in weiter gefasste Lernbereiche, z. B. in die Sozialwissenschaften, kann die Flexibilität fördern.

Weitere Informationen über EUROCLIO finden Sie in unserem vorherigen Artikel.


Céline Jambon ist politische Referentin bei der Europäischen Kommission. Ihre aktuellen Arbeitsschwerpunkte sind die Bildungspolitik und die frühkindliche Betreuung, Bildung und Erziehung.