Anerkennung der Abschlüsse von ukrainischen Schülern/-innen

Bild: ENIC/Ukrainisches Ministerium für Bildung und Wissenschaft

Die Anerkennung von Abschlüssen, die Geflüchtete aus ihrem Herkunftsland mitbringen, sowie die Kenntnis des erreichten Bildungsniveaus spielen eine wichtige Rolle für den Zugang zur Hochschulbildung und zum Arbeitsmarkt.

Das ukrainische Bildungssystem

Zur Erläuterung der ukrainischen Bildungsabschlüsse liefert das Nationale ukrainische Informationszentrum für akademische Mobilität detaillierte Informationen über das ukrainische Bildungssystem. Das Zentrum ist Teil des ENIC-NARIC-Netzwerks, einer gemeinsamen Initiative der Europäischen Kommission, des Europarats und der UNESCO, die Organisationen und Einzelpersonen bei der Suche nach Informationen über Verfahren zur Anerkennung ausländischer Qualifikationen unterstützt. Es werden dort auch Instrumente und Projekte zur Anerkennung von Abschlüssen genannt, z. B. die Ukrainische Qualifikationsdatenbank mit Informationen über verschiedene ukrainische Hochschulabschlüsse.

Weitere strukturierte Informationen zu allen Bildungsebenen, einschließlich eines Links zu Lehrplänen, bietet die European Training Foundation. Außerdem hat das School Education Gateway einen Artikel veröffentlicht, der die jüngste Bildungsreform in der Ukraine zusammenfasst.

Schulabschlüsse und Zugang zur Hochschulbildung

Die Regeln für die Anerkennung von Hochschulabschlüssen sowohl für berufliche Zwecke als auch für die Weiterbildung werden durch die Lissabon-Konvention festgelegt, die von den EU-Mitgliedstaaten (außer Griechenland) und der Ukraine ratifiziert wurde. Das Grundprinzip des Übereinkommens ist, dass Abschlüsse anerkannt werden müssen, es sei denn, die mit der Anerkennung befasste Institution weist nach, dass es wesentliche Unterschiede zwischen der anzuerkennenden ausländischen Qualifikation und ihrer inländischen Entsprechung gibt.

Im Rahmen des NARIC-Netzwerks wurde das Erasmus+-Projekt Q-ENTRY entwickelt, eine Datenbank mit Informationen über Schulabschlüsse, die den Zugang zur Hochschulbildung in ihrem nationalen Kontext in EU- und Nicht-EU-Ländern ermöglichen. Diese Datenbank enthält Informationen über ukrainische Qualifikationen und kann zur Unterstützung des Anerkennungsverfahrens für Personen, denen vorübergehender Schutz gewährt wurde, herangezogen werden.

Außerdem hat das ukrainische Ministerium für Bildung und Wissenschaft eine Zusammenfassung der Zulassungsvoraussetzungen und Qualifikationsniveaus in der beruflichen Aus- und Weiterbildung bereitgestellt.

Umgang mit fehlenden Unterlagen

Fehlende Unterlagen können eine Schwierigkeit bei der Bewertung der Qualifikationen von Geflüchteten darstellen. In ihrer Empfehlung vom 5. April 2022 zur Anerkennung der akademischen und beruflichen Qualifikationen von Menschen, die vor der Invasion Russlands in der Ukraine fliehen fordert die Europäische Kommission die Mitgliedstaaten auf, zunächst zu prüfen, ob eine zuverlässige Bestätigung der jeweiligen Qualifikation von den ukrainischen Behörden eingeholt werden kann. Die Lissabon-Konvention (Artikel 7) sieht in diesem Zusammenhang zusätzliche Schritte vor. Verschiedene Hilfsmittel stehen zur Verfügung:

  • Das Erasmus+-Projekt Refugees and Recognition – Toolkit 2 (REACT) hat spezifische Hilfsmittel und Methoden für Qualifikationsgutachter entwickelt, die in solchen Situationen Abhilfe schaffen können.
  • Das European Area of Recognition Manual (finanziert durch Erasmus+) enthält Standards und Leitlinien zu allen Aspekten der Anerkennung ausländischer Qualifikationen und zur Anerkennung von Qualifikationen von Geflüchteten.
  • Der European Qualifications Passport for Refugees (Europäischer Qualifikationspass für Geflüchtete) des Europarates ist ein speziell entwickeltes Beurteilungsschema für Personen, die keinen Zugang zu ihren Abschlussdokumenten haben. Ihnen wird ein standardisiertes Dokument ausgestellt, das die Qualifikationen erläutert, die ein Flüchtling auf der Grundlage der verfügbaren Nachweise wahrscheinlich besitzt.
  • Mit dem UNESCO-Qualifikationspass für Geflüchtete und schutzbedürftige Migranten/-innen soll der Zugang von Geflüchteten und schutzbedürftigen Migranten/-innen zur Hochschulbildung durch die Anerkennung bisheriger Lernerfahrungen und Qualifikationen vereinfacht werden. Es handelt sich dabei um eine standardisierte Erklärung, die drei Teile enthält: einen Beurteilungsteil, einen Erläuterungsteil und einen dritten Teil, der die nächsten Schritte betrifft.