Eltern zum gemeinsamen Lesen mit ihren Kindern motivieren

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Die Rolle der Eltern bei der Lese-/Schreibkompetenz ihrer Kinder ist nicht zu unterschätzen. Die evidenzbasierte Forschung hat schon vor mehr als zwei Jahrzehnten gezeigt, dass die Alphabetisierung zu Hause beginnt, in einem sehr jungen Alter. Daraus ergibt sich das Konzept der „familiären Lese-/Schreibkompetenz“: eine ganzheitlichere Sicht auf die Alphabetisierung, die das Lesen und Schreiben eines Kindes mit dem familiären Kontext verknüpft.

Ein Kind, das in einer Familie mit einer starken Lesekompetenz aufwächst, hat gute Chancen, selbst ein hervorragender Leser zu werden. Wir wissen jedoch alle, dass die Lesekompetenz der Eltern je nach Schulbildung, Beruf, sozialem Hintergrund, Interessen etc. sehr unterschiedlich ausfallen kann. Außerdem glauben viele Eltern bekanntermaßen, dass das Lesen- und Schreibenlernen ihres Kindes „später, in der Schule“ beginnt.

Wie können Eltern davon überzeugt werden, dass auch sie eine aktive Rolle bei der Entwicklung der Lese- und Schreibfähigkeit ihres Kindes spielen können?

Zur Beantwortung dieser Frage haben fünf europäische Städte ein Erasmus+ Projekt namens Open the Door for Reading ins Leben gerufen, das auf den Austausch von bewährten Verfahren und Forschungsergebnissen abzielt. Die fünf beteiligten Städte (Bristol, Brüssel, Göteborg, Mailand und Turku) helfen Fachleuten aus verschiedenen Bereichen, Eltern bei ihren Bemühungen zur Alphabetisierung zu unterstützen, insbesondere Eltern, die dabei mehrere Schwierigkeiten bewältigen müssen.

Eines der wichtigsten Ergebnisse dieses gemeinsamen Projekts ist wenig überraschend: Die Fachkräfte müssen sich nach dem Tempo der Eltern richten, anstatt ihnen ihre eigenen Konzepte aufzuzwingen. Für viele Eltern bedeutet das, dass das Vorlesen von Büchern erst (viel) später kommt. Stattdessen müssen wir sie ermutigen, Geschichten zu erzählen, Lieder zu singen, ihrem Kind kleine Reime beizubringen oder gemeinsam Schilder im Alltag zu entdecken, d. h., mit ihrem Kind eine lehrreiche Zeit zu verbringen.

Es gibt so viele Schritte, die unternommen werden müssen, und wir, die Fachleute auf verschiedenen Gebieten, sollten nicht einen einzigen von ihnen überspringen, wenn wir mit Eltern arbeiten.


Stijn Callewaert arbeitet für das Netzwerk der öffentlichen Bibliotheken Brüssels, einen der Partner des Projekts Open the Door for Reading.