Differenzierung: ein altes Konzept für einen neuen Unterricht

Image: Poznyakov / Shutterstock.com

Die differenzierte Pädagogik hat ihre Wurzeln in der Bewegung der Reformpädagogik (New Education) in den 1920er Jahren, die an das Lernpotenzial jedes Kindes und an die individuelle schulische Bildung glaubte. Maria Sfyroera erklärt, warum dieses Konzept heute noch bedeutungsvoller ist.

Wir wissen heute, dass ein Kind Wissen konstruiert, aber diese Konstruktion wird durch seine Zusammenarbeit mit anderen unterstützt. Eine differenzierte Pädagogik interessiert sich daher für das Individuum, ohne das Umfeld zu ignorieren. Es geht vor allem darum, wie man die Unterschiede zwischen den Schülern und ihren Familien berücksichtigt und sie gleichzeitig anleitet, Sinnhaftigkeit und gemeinsame Erfahrungen zu teilen. Es sollen also Aktivitäten organisiert werden, die jedem Kind den Raum und die Zeit für das persönliche Wachstum geben.

Dieser Ansatz verdeutlicht den Unterschied zwischen „Differenzierung“ und „Personalisierung“. Im Gegensatz zum personalisierten Lernen bedeutet differenziertes Lernen nicht, nach Materialien und Hilfsmitteln zu suchen, die dem Kind helfen, auf seinem individuellen Niveau zu arbeiten. Dagegen impliziert es Schülergruppen verschiedener Leistungsstufen, die es den Kindern ermöglichen, sich mithilfe eines „kompetenteren“ Mitschülers weiterzuentwickeln (durch Scaffolding und die Zone der proximalen Entwicklung).

Die Differenzierung von Kindern nur durch die Linse ihrer schulischen Leistungen zu betrachten, hat uns dazu gebracht, nach Differenzierungsmethoden zu suchen, z. B. flexible Gestaltung von Schulbänken, abgestufte Aktivitäten, multiple Intelligenzoptionen, Vielfalt von Hilfsmitteln und Rhythmen, Simulationen und Texte mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad. Auch wenn viele dieser Methoden effektiv sind, decken sie nicht das Wesen einer differenzierten Pädagogik ab. Das liegt daran, dass sie eine oberflächliche Antwort auf die Frage der Differenzierung darstellen.

Differenzierung ist keine Methode oder Technik. Sie zeichnet sich vielmehr durch Offenheit aus, die auf dem Verständnis für die Bedürfnisse der Schüler, auf Zuhören sowie auf der Schaffung offener und flexibler Rahmenbedingungen und Lerngemeinschaften (insbesondere im Vorschulalter) basiert. Diese geben den Aktivitäten der Kinder einen Sinn und sind ein Grund, sich daran engagiert zu beteiligen. Bei diesem Ansatz ist es nicht erwünscht, dass der Pädagoge einfach Methoden anwendet, sondern ein reflektierender Praktiker ist, der seine Handlungen kritisch hinterfragt und sie ständig überarbeitet.


Maria Sfyroera ist eine Lehrbeauftragte im Fachbereich Vorschulbildung an der Nationalen und Kapodistrias-Universität Athen. Sie hat in den Bereichen Lehren und Lernen, multikulturelle Bildung und Lehrerausbildung gearbeitet.

Themen: