Schüler in Berlin wollen Klimawandel im Lehrplan haben

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Bereiten die Schulen ihre Schüler auf den Umgang mit dem Klimawandel vor? Einige Schüler in Deutschland sehen das nicht so. Sie kämpfen für Änderungen in ihrem Lehrplan.

„Um die Klimabildung steht es leider ziemlich schlecht“, sagt die 18-jährige Victoria Bederov. Ihre Berliner Mitschülerinnen Alina Runk und Leonie Brockmann nicken zustimmend.

Die drei Schülerinnen nahmen eine Studie unter die Lupe, in der verschiedene Szenarien untersucht wurden, wie Einzelpersonen ihre CO2-Emissionen reduzieren können. Außerdem zeigte die Studie auf, wie oft diese Szenarien in wissenschaftlichen Lehrbüchern in Kanada auftauchen. Die Autoren fanden heraus, dass der Verzicht auf ein eigenes Auto, mit dem sich 2,4 Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr einsparen lassen, gerade einmal vier Prozent der empfohlenen Maßnahmen ausmachte. Das Beispiel einer Familie aus einem Industrieland, die sich dafür entscheidet, ein Kind weniger zu bekommen und damit mehr als 58 Tonnen CO2 pro Jahr einspart, wurde überhaupt nicht erwähnt.

Die drei Schülerinnen untersuchten, wie es in Lehrbüchern in Europa und anderswo aussieht und kamen zum gleichen Ergebnis. Bederov und ihre Mitstreiterinnen wissen, dass Vorschläge wie weniger Kinder kontrovers sind, sind aber der Meinung, dass SchülerInnen diese Optionen kennen und kritisch diskutieren sollten. Um ihr Ziel zu erreichen, sprechen die Schülerinnen Schulbuchverlage und Politiker direkt an. Sie fordern eine Änderung des Lehrplans.

So ein Lehrplan lässt sich allerdings nicht so ohne Weiteres ändern. Denn das Bildungssystem in Deutschland ist dezentral angelegt, das heißt, jedes der 16 Bundesländer stellt einen eigenen Lehrplan auf. Eine weitere Herausforderung ist, PädagogInnen, die bereits einen übervollen Stundenplan haben, mit den notwendigen Kompetenzen für Klimabildung auszurüsten.

Einige deutsche Schulen haben die Initiative ergriffen und bieten eine allumfassende Umweltbildung an. An der Hagenbeck-Schule haben die SchülerInnen die Möglichkeit, sich mit Artenvielfalt, Urban Gardening und nachhaltigem Leben zu befassen.

Bei der UN-Klimakonferenz im vergangenen Dezember haben die drei Vorträge gehalten, sie nutzen Soziale Netzwerke, um ihre Botschaft zu verbreiten und nehmen auch an den weltweiten Schulstreiks für mehr Klimaschutz teil.

Ihr Lehrer sagt, sie hofften, ihre Kampagne werde anderen SchülerInnen die notwendigen Kompetenzen vermitteln, um den Klimawandel zu bekämpfen.

„Sie wissen alle um die Probleme“, so der Biologielehrer der Schülerinnen, Bruce Phillips. „Aber sie wissen nicht, was sie tun sollen, um ihren eigenen CO2-Fußabdruck wirklich stark zu reduzieren... Im Moment bereiten wir sie nur darauf vor, wie man es nicht schafft.“

Bederov ergänzt: „Es reicht nicht aus, wenn das Bildungssystem sagt, Glühbirnen zu recyceln und auszutauschen, wäre die Antwort.“


Dieser Artikel stammt von Jennifer Collins und wurde zunächst auf der Seite der Deutschen Welle veröffentlicht. Er wurde mit der Genehmigung der Deutschen Welle für das School Education Gateway adaptiert. Hier finden Sie den vollen Artikel in englischer Sprache.