Sprachenlernen – Eine Kompetenz für's Leben

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Mehrsprachigkeit ist eines der herausragenden Merkmale Europas: Die Europäische Union verfügt allein über 24 Amtssprachen. Darüber hinaus werden in Europa Hunderte weitere Regional- und Minderheitensprachen gesprochen. Im Zuge der Migration ist Europa jedoch noch vielsprachiger geworden: Allein in London leben Sprecher von fast 300 verschiedenen Sprachen.

Einige Menschen wachsen in einer zwei- oder mehrsprachigen Umgebung auf, während andere zu einem späteren Zeitpunkt in ihrem Leben, in der Schule, in Abendkursen oder einfach so, Fremdsprachen lernen. In beiden Fällen sind die Vorteile des Sprachenlernens unübersehbar: Neben dem kognitiven Nutzen schlagen Sprachen die Brücke zur Interaktion mit anderen Kulturen und zu ihrem Verständnis, ganz zu schweigen von den breiteren Möglichkeiten, die sich dem Fremdsprachenlerner im beruflichen wie im Privatleben eröffnen.

Der Artikel dieses Monats stellt drei Projekte vor, die sich der Förderung des Sprachenlernens, der Integration und der gesellschaftlichen Inklusion von Migranten verschrieben haben.

Unterstützung der Integration neu eingetroffener Migrantenkinder durch Forschung und Zusammenarbeit

Infolge der Flüchtlingsströme in der letzten Zeit stehen die Schulen in Europa vor der Herausforderung einer wachsenden Zahl von SchülerInnen, welche die Unterrichtssprache nicht beherrschen.

Das EDINA-Projekt (Education of International Newly Arrived migrant pupils) vergleicht die Beschulung neu angekommener Migrantenkinder in drei verschiedenen Ländern, namentlich Finnland, Belgien und den Niederlanden, um die erfolgreichsten Strategien für die Verbesserung der Ausbildung dieser Kinder herauszufiltern. Diese drei Länder nehmen alle Kinder und Jugendlichen, die sich im Land befinden, unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus in ihr Schulsystem auf.

Das Projekt wird im Rahmen des Erasmus+-Programms finanziert. Es konzentriert sich auf drei Schwerpunktbereiche und wird drei Tools entwickeln:

  • Lehrkompetenz: Ein Modul für Lehrkräfte, die vor oder nach der Integration in den Regelunterricht mit SchülerInnen arbeiten, die sich erst seit kurzem im Land befinden.
  • Differenzierung: Didaktische Handbücher und Materialien für Lehrkräfte, die diese dabei unterstützen, ihre Methodik an die Bedürfnisse und Fähigkeiten der SchülerInnen anzupassen.
  • Aufnahme, Übergang und Bewertung: Ein Toolset und eine Ressourcendatenbank zur Optimierung der Aufnahme, der Beobachtung und des Übergangsprozesses von neu angekommenen SchülerInnen aus anderen Ländern.

Drei Länderberichte mit Darstellung des Primar- und Sekundarschulsystems mit Blick auf die Zielgruppe sowie ein Projektposter sind bereits verfügbar. Das Projekt läuft bis Ende 2018.

Welche Sprache sprichst du zu Hause? Mehrsprachige Familien

Die Forschung hat gezeigt, dass sich Mehrsprachigkeit positiv auf die Entwicklung und die Zukunft von Kindern auswirkt. Sie ermöglicht es jungen Menschen, kulturelle Konzepte zu vergleichen, einander gegenüberzustellen und besser zu verstehen, ganz zu schweigen von den gesellschaftlichen und beruflichen Vorteilen, die es mit sich bringt, zwei- oder mehrsprachig zu sein.

Das Projekt Multilingual Families hat es sich zum Ziel gesetzt, die Herkunftssprachen und Kulturen der Millionen Menschen in Europa mit einem Migrationshintergrund (2010 lebten Eurostat zufolge 47,3 Millionen Menschen in Europa, die im Ausland geboren wurden) und der Familien, in denen die Eltern mehr als eine Sprache sprechen, zu bewahren. Das Projekt ermutigt die Eltern, zu Hause ihre Muttersprache zu sprechen. Es bietet Unterstützung, Materialien und Lösungen zur mehrsprachigen Erziehung und Beibehaltung der Familiensprache. Im Rahmen des Projekts wurden Ressourcen in mehreren Sprachen für Lehrkräfte, Eltern und kinder entwickelt, darunter E-Books für Kinder, Fallstudien für Eltern und Lehrkräfte und ein Handbuch für Eltern, das sie dabei unterstützen soll, ihre Kinder zu motivieren, zu Hause die Herkunftssprache zu sprechen. Das Projekt lief zwischen 2013 und 2015 und wurde vom Programm für lebenslanges Lernen der EU gefördert.

YELL: Förderung des nicht-formellen Sprachenlernens

Am besten ist die Art von Bildung, die man nicht merkt“ (André Malraux) – so lautete das Leitmotiv dieses Projekts mit einer Laufzeit von drei Jahren.

Bei YELL (Young Europeans Love Languages, 2010-2012) ging es darum, die Motivation junger Menschen, mit nicht-formellen Methoden eine Sprache zu lernen, zu fördern. Dazu entwickelten die Projektpartner das Virtuelle Dokumentationszentrum, eine Online-Datenbank guter Praxisbeispiele für innovative und kreative Möglichkeiten des Sprachenlernens in nicht-formellen und informellen Kontexten. Ein weiteres Ergebnis der Arbeit ist das YELL-Handbuch für Lehrkräfte, TrainerInnen und JugendbetreuerInnen, erhältlich in neun Sprachen. 2011 wurde das YELL-Projekt mit dem Europäischen Sprachensiegel ausgezeichnet.

Das Nachfolgeprojekt YELL2 (2012-2013) hatte zum Ziel, die Ergebnisse von YELL noch weiter zu verbreiten. Dafür wurden Weiterbildungsveranstaltungen für PädagogInnen organisiert, und die Original-Datenbank mit guten Praxisbeispielen wurde ausgeweitet (mehr als 80 neue Beiträge).